Jun 152009
 

Uh-oh, die Wohnungstür geht so schwer auf. Was hängt von außen an der Klinke? “2 Stuttgarter Originale”. Nein, nicht Pfleiderle und Häberer, die würde ich ja noch gerne dort baumeln sehen. Sondern die “Gelben Seiten” und das “Megantane(*) Telefonbuch”, beide vom literarisch angesehenen Württemberger Telefonbuchverlag, in der großen Folioausgabe mit Goldschnitt. Und in einer Schwaroffski-Kristall-Plastiktüte.

Was ist den das für ein Vertriebsmodell? 2 Kilo Altpapier in Aspik unverlangt an jeden Stuttgarter Haushalt verteilen, um damit die “Reichweite des Werbeträgers” zu untermauern, und dann blöden Geschäftskunden teure Werbe-Einträge zu verkaufen, die niemand liest? Im Telefonbuch stehen doch eh nur noch alte Leute mit vierstelligen Telefonnummern – und die einzigen Telefonbuch-Leser sind die, die Opfer für ihre “Enkel-in-Notlage-schickt-Kumpel-zum-Bargeldabholen”-Masche suchen.

In welchem Zeitalter leben wir denn, dass man mal so eben einen kleinen Nadelwald über Stuttgart verteilt? Gibt es etwa Leute, die sich schon wochenlang auf die Lektüre des neuen Telefonbuchs freuen, oder auf die gelben Seiten, weil die sich so toll als Unterlage im Hamsterkäfig machen?

Ich jedenfalls bin der Meinung, dass ich mit meinem “keine Werbung”-Aufkleber genau dem widersprochen habe, geschweige den irgendwie mich auf einen Verteiler habe setzen lassen, wie eh diese “Serviceinformation” andeutet (Achtung, Realsatire)

"Serviceinformation"

"Serviceinformation"

Der Artikel würde nicht in der Kategorie “Spießertum” stehen, wenn es nicht auch eine Antwort gäbe:

Ich möchte Sie bitte, die heute unverlangt und gegen meinen Willen zugestellten Postwurfsendungen „gelbe Seiten” und „Telefonbuch 2008″ wieder abzuholen. Sie finden Sie an der Stelle, an der Sie sie zugestellt haben. Streichen Sie mich des Weiteren von Ihrem Verteiler.

Erklären Sie mir weiterhin, wie ich auf diesen Verteiler geraten bin, wo ich der Zustellung der beiden Werke nie zugestimmt habe. Sollte ich dies je in einem Vertragsverhältnis mit der Telekom getan haben, so ist diese Zustimmung spätestens seit dem Erlöschen des Vertragsverhältnisses mit der Telekom nichtig.

Ich finde die Art und Weise, wie Sie unnötig Tonnen von Papier verteilen, mit dem heute herrschenden Ökologiegedanken nicht mehr vereinbar. Zudem habe ich der Zustellung unverlangter Sendungen durch gut sichtbare Hinweise im Eingangsbereich des Hauses widersprochen.

Sollte ich nochmals Ihre Werke erhalten, behalte ich mir weitere Schritte vor.

Jawoll! Es lebe die Selbstbestimmung. Die sollen gerne ein auslaufendes Geschäftsmodell zu Tode reiten, aber dabei bitte die Natur in Ruhe lassen. Wenn es nach mir geht, holen die alle ihre Werke wieder ab. Nacheinander. Einzeln. Zu Fuß.

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