Jun 272009
 

(Fürsorglicher Hinweis: Achtung, Satire! Bitte nicht weiterlesen, wer damit nichts anfangen kann!)

Ein paar Anmerkungen und Beobachtungen zum Tode von Michael J.:

  • Wie lange wird es wohl dauern, bis erste Meldungen auftauchen, dass er doch nicht tot ist? Nicht lange, wenn die Welt so funktioniert, wie ich vermute. Wenn dem so ist, wird dies die erste Website sein, die es “berichtet” hat. Elvis bereitet schon sein Gästezimmer vor – für seinen Ex-Schwiegersohn!
  • Noch nicht einmal ist die Leiche kalt, da drängen gefühlte zig-Millionen von “Promis” und “Künstlern” an die Öffentlichkeit, um durch ihr Michael-Jackson-Bewunderungs-Gehudel mal wieder in die Medien zu kommen. Manchen glaubt man, manchen nicht. Mal schauen, wer als erstes beim “Michael hat mich beeinflusst”-Sagen loslachen muss. Dem/r ist Medienpräsenz gewiss.
  • Nur einer fehlt im Reigen: Günther H. Oettinger, unser Ministerpräsident! Der gruschtelt jetzt wahrscheinlich in seiner imposanten “Ich-dränge-mich-einem-Prominenten-ins-Foto”-Sammlung nach einem Bild, mit dem er belegen kann, dass die beiden die besten Freunde waren. Mein Tipp: Hilfsweise tut es auch ein Einzelverbindungsnachweis der Telekom. Oder die Behauptung, seine Politik sei seit jeher von Michael Jackson beeinflusst gewesen. Welcher Aspekt, das bleibt offen.
  • Sein Pech dabei: Google dokumentiert bei der Eingabe von “oettinger jackson” leider nur, dass Günther H. am Tag von Michael J.s Ableben die höchst unpopuläre Idee von der Mehrwertsteuer-Erhöhung in die Welt setzen musste. Da wird es schwierig werden, im Nachhinein die enge Freundschaft (Gönnerschaft?) zu belegen. “Perfektes Timing” nenn ich das!
  • Dass andere aus dem Ländle größere Cleverle sind, beweist Smudo. Einfach mal nach o.g. Muster googeln. Super-Webpräsenz, und er musste kein verlogenes Wort über den Ping of Kopp verlieren.
  • Pech wünscht man durchaus den unvermeidlichen Geschäftemachern. Auf Ebay werden für horrende Summen die entsprechenden Ausgaben der New York Times und anderer Zeitungen angeboten. Ein Flug nach New York mit pittoreskem Wühlen im Altpapier an der West Side kommt da evtl. sogar billiger. Ach ja: Null Gebote. Durchgängig. Puh!
  • Zum Thema Reisen: Passender als in London hätte man die nun geplante Konzertserie nicht ansetzen können. Die Briten nehmen das Wetten ja sportlich. Ein Ticket war wohl primär als Kombi-Wettschein gedacht:
    • Wette 1: Findet das Konzert statt?
    • Wette 2: Bei welchem Konzert wird die Serie abgebrochen?
    • Wette 3: Halten alle Körperteile?
    • Wette 4: Gibt es ein spektakuläres Ableben auf der Bühne?
  • Pech haben diejenigen, die laut Zeitung gerade dabei waren, zu horrenden Preisen (£1200 für zwei) auf Ebay Tickets zu ersteigern. Mich würde mal interessieren, was da die AGBs von Ebay darüber sagen.

Epilog: Vielleicht bringt dieser Artikel dem Blog seinen ersten richtigen Kommentar. “Fan” soll ja angeblich von “fanatisch” kommen, somit hat man ja Hoffnung. Auch, dass aus “blindem Fanatismus” (Topos) jemand nicht richtig liest und zu dem Schluss kommt, hier mache sich jemand über den toten Michael lustig.

Aus der Oettinger-Ecke erwarte ich weniger kritischen Zuspruch, denn der Name seiner Gefolgschaft leitet sich ja nicht aus “fanatisch” ab, sondern aus “anhänglich”.

  5 Responses to “Michael Jackson lebt noch”

  1. Guter Artikel, eigentlich weniger Satire dabei als erwartet (nach der Warnung in der Einleitung).
    Herr Oettinger konnte gerade nicht, weil er sich auf seine Mehrwertsteuer-Taktik konzentrieren muss, da geht er auf einem schmalen Grat zwischen “ich sorge für ein Nach-der-Wahl-ich-habs-ja-gleich-gesagt, aber meine Partei Kollegen, die ich gerne absägen möchte, haben mich nicht gelassen”.
    Ansonsten bin ich beim Pech-Wünschen für die Geschäftemacher voll dabei.
    Von den 46 Konzerten konnte nur die Hälfte versichert werden – damit ist schon mal klar, auf welche Zahl bei Wette 4 die Versicherungsmathematiker intern gewettet haben.
    Wer erklärt mir bitte dann noch, wieso jetzt die ganze Welt plötzlich ihre Liebe zu Jackson-Musik (wieder-)gefunden hat und die Presswerke endlich mal wieder heißlaufen? Hätten doch die angeblichen Jackson-Fans die Musik vorher gekauft, dann hätten sie ihrem King vielleicht aus seinen Finanzproblemen helfen können und er wäre nicht zu diesem Konzert-Horror-Trip gezwungen gewesen.

    • Vielen Dank! Satirewarnung kam nur deshalb, um den gröbsten der Grobleser den Wind des Übereifers aus ihren Segeln zu nehmen.

      Deine Anmerkungen treffen es genau – nur, wie bringt man die Botschaft unter das Wahl-/Fan-/Medien-Volk? Und noch eine Anmerkung zu den Wetten: Bin bin geradezu überzeugt, dass Wette 4 ganz real bei britischen Buchmachern gehandelt wird – wenn auch unter den Hand. Da sind richtige Zyniker am Werk.

      • Zyniker? Hallohoo. Herzlich willkommen auf unserem Planeten, edler Fremder. (In unserer Welt sagt man übrigens “seriöse Geschäftsleute”. “Zyniker” ist hier ein Schimpfwort.) Schönen Aufenthalt noch.

  2. […] Entdeckung von Herrn S., ich berichte nur, und verweise diesbezüglich auf einen älteren Beitrag. […]

  3. […] dieser Stelle geht es heute nicht um die Wertung politischer Aussagen, sondern um das geradezu beängstigende Timing, welches Ministerpräsident Günther H. Oettinger (oder ist es Guenther H. Öttinger, wie ich […]

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