Archive for category Professionalism
Tipps für Helden (am Beispiel von “Avatar”)
Posted by Procrastinator in Lebenshilfe, Professionalism on 21. February 2010
Seit dem dämlichen*, aber heldenhaften Tod von Winnetou (III) steht fest, dass filmische Dramaturgie und Heldentum nicht mit Vernunft und einem gewissen Lebenserhaltungstrieb in Einklang zu bringen sind.
Als jüngstes Beispiel dient James Camerons 3D-Spektakel “Avatar”: Ich möchte der kommenden Heldengeneration deshalb ein paar praktische Tipps an die Hand geben, damit Heldentat und Heldentod endlich ihr inniges Verhältnis lösen können.**
Nehmen wir also mal an, Sie hören auf den Namen “Trudy”, fliegen im Hauptberuf als Söldner einen Kampfhelikopter, und sind der guten Sache zugeneigt. Beim abschließenden, vernichtenden Angriff der Bösen auf die Guten haben Sie bereits die Seiten gewechselt, und stellen Ihren voll bewaffneten, magisch aufgetankten Flieger in den Dienst der edlen Wilden.
Falsch:
Streichen Sie nicht Ihren Helikopter mit den auffälligen Farben der Eingeborenen, um dem Feind Ihren Verrat zu verraten. Fliegen Sie nicht auf den viel größeren, schwer bewaffneten Kampfhelikopter des Oberschurken zu – zumindest nicht frontal. Tun Sie dies vor allem nicht, um sich für den erwählten Haupthelden zu opfern.
(Nebenbei: Wenn Sie sich diesen ganzen Quatsch schon nicht verkneifen können, dann verkneifen Sie sich wenigstens nach den ersten guten Schüssen auf den Oberbösen die spöttischen Bemerkungen, und HALTEN SIE DRAUF!)
Richtig:
Mischen Sie sich stattdessen unauffällig unter die Feinde. Fliegen Sie direkt hinter das schwerfällige Fluggerät, welches die todbringenden, den Widerstand brechenden Bomben ins Heiligtum der Eingeborenen transportiert. Zerstören Sie das Fluggerät mit gezielter Waffeneinwirkung durch die ohnehin offene Ladeluke. Sie schaffen das spielend, denn der Hauptheld braucht dafür ja nur eine Handgranate.
Jetzt können Sie sich dann immer noch überlegen, ob Sie lieber heldenhaft sterben oder davonkommen wollen.
So einfach kann das sein!
Und damit keiner behaupten kann, ich sei parteiisch, kommen demnächst ebenso gute Tipps zum Thema “Bösewichteln, aber richtig”.
* Heutzutage würde sicherlich ein schlauer TV-Forensiker oder -Pathologe nachweisen, dass die Kugel Old Shatterhand ohnehin verfehlt hätte.
** Der einfachste Tipp ist ohnehin “Freu Dich Nicht Zu Früh”, aber der gilt ja für Helden und Schurken gleichermaßen.
not-so-mighty illusions (at least, not optical)
Posted by Procrastinator in Professionalism, Roadkill, Technik einfach on 3. February 2010
Ich habe ja bereits von den “Mighty Optical Illusions” geschwärmt(*), und war auch ganz begeistert vom “Transparent Desktop Trick” – bis ich ihn mal selbst ausprobiert habe. Erkenntnisse:
- Mit einem Notebook gar nicht so schwer: Notebook fotografieren, zuklappen, wieder fotografieren. Im Photoshop den Desktop-Hintergrund nach den Konturen des aufgeklappten Notebooks aus dem Hintergrund ausschneiden.
- Schwierigkeiten bereiten lediglich das Licht (Reflexionen, Licht wird durch den Bildschirm verdeckt), Perspektive (Stativ!), Schärfe (manuell fokussieren) und die Verzerrung zu einem perfekten Desktop. Und natürlich die exakte Position beim Anschauen/Fotografieren des Effekts.
- Bonuspunkte bekommen die Fotografen, die normale Monitore verwenden. Die muss man abbauen, und darf dabei nichts an der Umgebung verändern.
- Noch mehr Bonuspunkte für eine Interaktion mit Menschen / Tieren, da muss man auf exakte Posen achten.
- Die entscheidende Frage aber ist: Warum erst mühsam einen Desktop-Hintergrund bauen, wenn man das alles ohnehin in Photoshop zusammenklopfen kann, weil als Beweis ja eh ein Bild dient? Nachfolgend das Ergebnis einer 5-Minuten-Aktion, auf das Einmontieren eines freigestellten Desktops habe ich verzichtet.
(*) Hat eigentlich schon jemand gemerkt, das ich wieder von den Fußnoten abgekommen bin?
Turned off by Robbie Williams
Posted by Procrastinator in Professionalism, Roadkill, Zeitgeschehen on 2. February 2010
Bei aktuellen “turned-off” Stück vom Wochenende lässt sich sogar die Entstehungsgeschichte rekonstruieren
You know me von Robbie Williams
(vgl. das Video auf Youtube)
Vermuteter Dialog zwischen dem Manager und dem Produzenten
Mensch, nur 6 Stücke diesmal, das können wir doch nicht als volles Album verkaufen!
Dann nehmen wir halt noch 3 Stücke vom Abfall dazu!
Und wenn wir dann noch eines davon als Single verkaufen müssen?
Dann stecke ich Robbie in ein Hasenkostüm, das geht immer!
“You know me” war garantiert das dritte der drei Stücke.
Suchmaschinenoptimierung mit Peter Bollin
Posted by Procrastinator in Professionalism, Roadkill, Zeitgeschehen on 26. January 2010
Ein kleines Abfallprodukt eines kürzlich veröffentlichten Artikels, der sich in einer Fußnote auf den berühmten, aber verkannten Mathematiker und Physiker Peter Bollin (lebend) bezog: Warum nicht mal eine Suchmaschinenoptimierung in dieser Richtung wagen?
Zu schlagen sind die Schwäbische Post (40 Jahre Jubiläum, wegen des Wettbewerbs nicht verlinkt), die Lehrersprechzeiten des Ostalb-Gymnasiums (dito [ohne tschö]), und ein Klaus-Peter Bollin, der gar nichts damit zu tun hat. Das Vorbild ist die “Hommingberger Gepardenforelle“. Mal schauen, was sich da erreichen lässt.
Geräte laden am USB-Port
Posted by Procrastinator in Lebenshilfe, Professionalism, Technik einfach on 9. January 2010
Nachdem ich mit gestrigem Beitrag den letzten milde interessierten Leser verprellt habe, gibt es jetzt für die restlichen Pflichtleser (*) mal wieder was total nützliches.
Anlass: Mein Handy wird über USB-Kabel aufgeladen. Verschiedene Szenarien:
- Rechner A: Handy lädt, egal ob der Rechner an oder aus ist
- Rechner B: Handy lädt nur, wenn mit dem Rechner kommuniziert wird
- Rechner C: Handy lädt gar nie nein nie nicht niemals am USB-Port.
- USB-Ladegerät mit Orginal-USB-Ladekabel: Handy lädt nicht
- Original-Ladegerät mit USB-Stecker: Lädt einwandfrei
Also wieder so eine Sch…-Geschäftemacherei, nachdem die EU die Hersteller ja per “Selbstverpflichtung” gezwungen hat, Geräte nur noch per USB zu laden? Muss ich nun doch wieder *zig Ladegeräte mit in den Urlaub schleppen?
Weit gefehlt (anschwellende Trompeten künden vom Triumpf): Ein wenig googlen (gugeln?) ergibt, dass es wohl (**) eine spezielle Spezifikation für USB-Ladegeräte gibt. Ein USB-Gerät erkennt wohl an einen Widerstand von 0 bis 200 Ohm zwischen den USB-Datenleitungen D+ und D-, dass es an einem speziellen Ladegerät hängt. Ein größerer Widerstand deutet hingegen auf eine Datenverbindung hin.
Das erklärt natürlich vieles: Zum Einen kann es sein, dass mancher Computer einen zu hohen Widerstand zwischen den Datenleitungen aufweist, und deshalb mein Handy nicht lädt. Zum Anderen haben die meisten USB-Ladegeräte natürlich nur die USB-Power-Leitungen beschaltet, und nicht die Datenleitungen. Wenn die nicht einmal beide auf Masse liegen, ist der Widerstand natürlich auch unendlich. So auch bei meinen USB-Ladern (nachgemessen).
Weiteres leitet sich aus dem normgerechten Verhalten von USB-Geräten ab: Ein USB-Gerät darf erst einmal nur 100 mA aus einer USB-Datenverbindung saugen, und erst nach Kommunikation mit dem Host-Gerät bis zu 500 mA. Mein Handy ist da besonders zurückhaltend und zieht erst einmal gar keinen Saft, bekommt aber mangels Datenkommunikation aus ruhenden Computern und USB-Ladegeräten auch keine Erlaubnis, zumindest die 500 mA abzuzapfen.
Abhilfe: Einen kleinen Zwischenstecker gebastelt (USB-Buchse auf -stecker) und darin die Datenleitungen (innere Kontakte) zum USB-Gerät hin (also an der Buchse) miteinander verbunden. Dabei nicht vergessen, auch die Abschirmung durchzuverbinden. Schon geht es mit dem Laden, weil nun das Gerät weiß, dass es an einem Ladegerät hängt.
Warnung: Den Adapter in Datenverbindungen (also am PC) nicht einsetzen, das verursacht streng genommen einen Kurzschluss auf den Datenleitungen! Und auch nicht einsetzen bei Geräten, die eigentlich gut laden! Verwendung auf eigene Gefahr!
Zu letzterem auch noch eine Anmerkung: Das Ganze könnte auch der Behauptung von Herrn S. Aufwind geben, dass bestimmte Geräte am PC oder an universellen USB-Ladegeräten schlechter, d.h. langsamer als am Original-Ladegerät laden. Hypothese: Das Gerät weiß (PC) bzw. denkt (Ladegerät), dass es an einer Datenleitung hängt, und saugt nicht mehr als die erlaubten 500 mA (oder nur 100, je nach Konformität), obwohl es > 1A bekommen könnte.
Ipod-User scheinen übrigens dasselbe Problem zu haben, aber da kauft man ja gerne stylisches Original-Zugehör.
(*) also Herr.S
(**) nach neuem EU-Recht, harharhar
Old Gold Retold: Creme-Statistiken
Posted by Procrastinator in Lebenshilfe, Professionalism on 8. January 2010
Ein schönes neues Jahr wünschen wir. Auf dass dieser Blog nicht sterbe(n tue).
Zur Sache: Den geneigten(*) Leser wird es sicherlich interessieren (**), dass die Cremespende-Aktion eine Fortsetzung erfahren hat. Da das Nachfüllen ja schon Routine ist, hab ich die letzte Aktion genutzt, um mittels einer digitalen Präzisionswaage Buch zu führen, was und vor allem wieviel ich da fülle.
Ergebnis: Die leere Florena-Tube wiegt 17 Gramm. In der Tube, die ich das letzte Mal zum füllen verwendet hatte, waren ebenfalls noch 17 Gramm Creme verblieben. Das weiße Unterteil des Spenders zusammen mit dem Cremevolumenreduktionskolben © wiegt – na was wohl – 17 Gramm.
Tapfer habe ich aber der Versuchung widerstanden, nochmals 17 Gramm aus der neuen Tube nachzufüllen, auf dass sich der Bollinsche (***) Kreidekreis (ja gut, Quadrat
) schließt, und zum Trotz nochmals 23ml nachgelegt. Ergebnis: 40 Gramm (und ein wenig Luft) sind im Spender, 45 Gramm noch in der Tube, also wiegen 75ml Creme ca. 68 Gramm.
Wollte ich schon immer mal wissen.
(*) Grundannahme
(**) Nicht die Bohne (*)
(***) nach Peter Bollin, bedeutendem Mathematiker und Primat
Tipp: Ikea-Aufkleber entfernen
Posted by Procrastinator in Lebenshilfe, Professionalism on 11. December 2009
Präambel
Don’t try this at home!
Try this at home, but at your own risk!
Medias in res
Kurztipp der Woche(*): Ikea klebt auf alle Waren ja bescheuerte Barcode-Aufkleber, deren einziger Nutzen die innige Verbindung mit dem Untergrund ist. Dabei gibt es schon seit langem in anderen Branchen (Buchhandel) Aufkleber, die nicht beim Abziehen maxmial 1/8 freigeben und dann reißen.
Akuter Fall: Ratzige Papieraufkleber auf neuen Tellern. Fön? Fehlanzeige, da muss man schon den ganzen Teller aufheizen, und dann geht der Aufkleber erst nicht ab. Lösungsmittel? Feuerzeugbenzin löst den Kleber gerade mal so weit, dass man seinen Fingernagel daran ruinieren kann. Nitroverdünnung ist in diesem Haushalt verpönt, obwohl ich noch einen geheimen Vorrat horte
Doch wenn man das Feuerzeugbenzin mit meinen normalen Neigungen paart, kommt die einzig richtige Lösung heraus: Aufkleber mit ein wenig Feuerzeugbenzin tränken, und dann anzünden. Jawoll, das Ganze brennt zuerst mal 3-5 Sekunden. Der Aufkleber ist zwar danach vollkommen unversehrt – aber er lässt sich rückstandsfrei abziehen.
Nachahmung auf eigene Gefahr. Besonders bei brennbaren Untergründen (
hatte ich ja schon).
(*) Demnächst gibt den Langtipp mit Bildern – ich brauchte heute noch alle 12 Teller, um die Methode zu perfektionieren.
Google bietet Glücksspiel an: “Google Alerts”
Posted by Procrastinator in Professionalism, Technik einfach, Zeitgeschehen on 4. December 2009
Aufreger der Woche(*): Google Alerts. Ein Benachrichtigungsservice, der einem per E-Mail melden soll, wenn zu bestimmten Suchbegriffen neue Websites erscheinen oder geändert wurden. Tolle Sache in Zeiten der Informationsflut, und doch solch ein Aufreger, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, mich zu echauffieren.
Beispielsweise habe ich eine Benachrichtigungsmail gesehen, die hat zwar richtigerweise einen Eintrag aus einem Forum als Suchergebnis verschickt, aber a) mit einem falschen, aktuellen Datum versehen, obwohl der aktuellste Beitrag von 2007 war, und b) einen Beitrag mitten aus Seite 1 des Forenthemas genommen, wo doch das Thema sich über 7 Seiten erstreckte. Also mehr als irreführend, wenn man sich damit begnügt.
Derselbe Alert, mit denselben Suchbegriffen, gab beim Verschicken an eine andere E-Mail-Adresse einen komplett anderen, völlig irrelevanten Alert. Die Liste könnte man endlos weiter führen, denke ich. Es zeigt aber, dass die Ergebnisse dieses Dienstes gelinde gesagt “wenig nachvollziehbar” sind.
Die Probleme eines solchen “Informationsdienstes” sind vielfältig, und Öl im Feuer eines jeden Medienkritikers. Sinn und Zweck der Alerts ist es ja, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden, und das Relevante frei Haus zu liefern. Gerade die Relevanz ist jedoch nur vorgegaukelt, in Wirklichkeit wohl eher beliebig, und die Inhalte sind augenscheinlich auch noch fehlerhaft. Wer das nicht routinemäßig hinterfragt, spielt Informationslotto(**).
Wer nun diese Probleme auf den Beta-Status des Dienstes zurückführt, verkennt die wahre Problematik: Es ist die immer wieder gern gesehene Firmenpolitik von Google, nach Gutsherrenart über die Relevanz und Bedeutung von Informationen zu entscheiden. Und kaum jemand regt sich darüber auf. Das folgt 1:1 dem altbekannten Theorem der Retrievalforschung, dass man nur die Relevanz dessen beurteilen kann, was man auch als Information erhält, und nicht dessen, was man nicht gefunden hat. Ich weiß eben nicht, was ich nicht weiß.
Es gibt natürlich den Einwand, dass Journalisten, Politiker, Autoren, Fernsehschaffende, Blogger etc. ebenso Informationen zurückhalten, filtern, sieben, verfälschen, bearbeiten usw. Der Unterschied ist jedoch, dass dies in der Regel mehr oder weniger nachprüfbar, gesetzlich geregelt und transparent geschieht, und dass man ohnehin den Protagonisten mit Skepsis begegnet – wer glaubt schon einem Politiker?
Google hingegen hat sich eine eigene Welt erschaffen: Informationen werden gesammelt, aufbereitet und verteilt, ohne dass irgendjemand wüsste, nach welchen Kriterien dies geschieht. Das “Wie” wird ja explizit als privatwirtschaftliches Firmengeheimnis behütet. Alle (iPhone-Benutzer voran – zwei Rote Tücher auf einem Haufen
) unterwerfen sich einem Mechanismus, dessen Regelwerk sie allenfalls erahnen können. “Das wird in Google (nicht) gefunden” mag ein Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg sein; über die Bedeutung von Informationen sagt es aber überhaupt nichts Verlässliches aus.
“Medienkompetenz” heißt unter anderem, Informationen beurteilen zu können, weil man weiß, wie das Medium funktioniert. Wenn die “Informationselite” die Informationen, welche Google gnädigst verteilt, nicht mit gaaaaanz spitzen Fingern anfasst, dann ist es mit der “Elite” nicht weit her.
Jaja, ich bin ja schon ruhig
(*) Die ist ja fast rum, man verzeihe daher meine Voreiligkeit
(**) Glückspiel kann süchtig machen. Chance 1:10 hoch 17.
Otto-Katalog: Super Verarsche, ey
Posted by Procrastinator in Professionalism, Spiessertum, Zeitgeschehen on 3. December 2009
Der Artikel über den Abschied vom Otto-Katalog musste erst von der Startseite dieses Blogs verschwinden, dass ich mir über die wahre Bedeutung Klarheit verschaffen konnte. Zwei Thesen bieten sich an:
- Erste Auslegung: Cool! Futuristischer, einfühlsamer Schwanengesang. “Herbst” steht für Ende unserer Kultur, Tod, Verwesung, Stille. Das Ende des Otto-Versands als Mahnmal für zukünftige Generationen. Wo soll derjenige, der als letzter das Licht auf der Erde ausmacht, seine Klamotten bestellen?
- Zweite Auslegung: QUELLE, nicht OTTO! Deeeeeeeeeeeep! Dööööööfki!
Entscheide sich jeder selbst für eine Version.
Wie Du mir, so ich Dir noch lange nicht
Posted by Procrastinator in Lebenshilfe, Professionalism, Technik einfach on 28. November 2009
Immer wieder wundert(*) man sich über das Geschäftsgebahren von Firmen, insbesondere aus der Telekommunikationsbranche. Wenn man nur am Telefon an der falschen Stelle hustet, oder überhaupt abnimmt, hat man schon einen Superflatgigavertrag über 200 Jahre. Wenn man den aber kündigen will, muss man persönlich und nackt mit seinem verstorbenen Großvater bei der Niederlassung in Katmandu vorsprechen, weil man vor 189 Jahren (nicht vergessen: Kündigungsfrist 10 Jahre und 8 Tage, wegen der Neigung der Erdachse) das “branchenübliche” Kleingedruckte nicht gelesen hatte.
Aktuelles Beispiel: Simyo sperrt wegen “Nichtaktivität” eine Prepaid-SIM-Karte. An sich schon frech, aber in den AGB so enthalten (hab ich nicht gelesen, schön blöde), und ich brauch die Karte ja nur für Notfälle (jetzt nimmer, es gibt andere Anbieter ohne “Aktivitätszeitfenster”). Aber da war noch Guthaben drauf! Mein Geld! Dabei am Rande: Als “Aktivität” gilt bei einem Telefonieanbieter nicht “Telefonieren”, sondern “Guthaben aufbuchen”. Wer braucht noch deutlichere Angaben zur Rolle des “Kunden” in dieser Geschäftsbeziehung?
Einziger Anhaltspunkt für mein Verhalten nach der Sperrung ist ein Hinweis in den AGB (sinngemäß): “Nach Ende des Vertragsverhältnisses ist die SIM-Karte zurückzusenden”. Also denk ich mir, wenn ich meinen Part erfülle, dann erfüllen die auch ihren, und schicken mir mein Geld. SIM-Karte hingeschickt, und was kommt? Ein Formular über drei Seiten, mit dem die Rückzahlung beantragen kann. Mit Bankverbindung, Ausweiskopie, Rücksendung der SIM-Karte (HAB ICH SCHON!) und verbindlicher Erklärung, dass wir danach geschiedene Leute bzw. TK-Unternehmen seien. Naja, das scheint ja nochmals gut zu gehen. Dass ich das Formular auf der Website nicht gefunden habe, mag daran liegen, dass ich keine Lust habe, auf einer Website zu suchen, die 80% aus Neukundenwerbung, 20% aus Bestandskundenservice und 0% aus Angeboten für Ex-Kunden besteht.
Was aber hängen bleibt ist die Aussage von oben: Ich kann mich nicht erinnern, beim Kauf der SIM-Karte solch einen Aufwand betrieben zu haben. Da reichte, glaube ich, meine Bankverbindung auch gleich noch als Identitätsnachweis. Und das alles lag ja Simyo schon lange vor. Wenn die Angaben bei der Rückerstattung also alle “zum Schutz meines Guthabens” dienen, dann gilt wohl dieser Schutz nur, wenn mein Guthaben vor meinem Zugriff zu schützen ist.
Jetzt bin ich gespannt, wann und ob mein Guthaben vollständig ankommt. Anderswo habe ich bei einem Anbieter gelesen, dass die Erstattung von (Bonus-) Guthaben 6,20 Euro Gebühren kostet. Ich glaube, es war Discotel, aber legt mich nicht fest. Offenbar haben die das mittlerweile auf 0€ gesenkt. Oder ich hab was im Kleingdruckten überlesen
* naja, eigentlich wundert man sich nicht mehr – das sagt man halt so

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