Rechenexempel: Mit gleicher Münte

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Jul 152009
 

Nachdem Herr S. sich wieder nach seinem Aufreger wieder abgeregt hat, versuche ich mal Faktenfaktenfakten sprechen zu lassen. Meine Frage: Macht Macht sexy? Ich versuche es mal so auszudrücken:

Höchster Pensionsanspruch für Bundestagsabgeordnete nach 27 Jahren Zugehörigkeit zum deutschen Bundestag: € 5.175.

Zugehörigheit von Herrn Müntefering (69) zum deutschen Bundestag laut Biografie: Knapp 28 Jahre, noch steigend.

Alter der neuen Freundin: 29 Jahre, ebenfalls leicht steigend.

Lebenserwartung von Männern in Deutschland, die 1940 geboren sind: 68,2 Jahre (Riskiofaktoren wie Schlemmen am Gendarmenmarkt, Dienst unter Schröder und harte Wahlkämpfe nicht berücksichtigt).

Rentenanspruch einer Witwe: Je nach Ehezeit zwischen 0% und 25% (“kleine Witwenrente”), evtl. nur für 2 Jahre.

Fazit: Das ganze Unternehmen lohnt sich unter Renditekriterien nicht – besonders wenn man weitere Risikofaktoren in Betracht zieht. Bankraub ist weniger anstrengend!

Fazit des Fazits

Jul 132009
 

Tja, liebe “Freunde”.

Heute im Spiegel diesen Artikel gelesen und aufgeregt. (Was die Überschrift verspricht, kann der Text nicht halten.) Mich-aufregen – das entspricht eigentlich gar nicht meinem Naturell. Das muss mich wundern … und auch die, die mich gut kennen, gell A.?! Außerdem habe ich mir soeben – senior statesman – überraschend angewöhnt, der vornehmen Zurückhaltung zu pflegen.

Umso ärgerlicher, dass der Artikel hartnäckig im Gedächtnis bleibt:
Nichts dagegen, wenn der Herr Stratege eine nassforsche Taktik pflegt und einfach jedes Argument in Abrede stellt. Nur … wen will er damit unterhalten? Entweder ist hier jemand seiner Basis weit entschwoben oder man wird mit dem Alter einfach nur realitätsfremd. Ich will gar nicht unbedingt an die zwei anderen Möglichkeiten (“Überheblichkeit”, “Krankheitsbild”) denken, das macht es nämlich nicht besser.

Am irritierendsten aber ist die Sprache: “Er hat Kompass, (…), er kann Kanzler.” Soll das `proletarisch´ sein? Oder ist das jugendlich? (HAHAHA, hoffentlich als WITZ erkennbar!) Wo, bitte schön, sind wir denn mit 69 Jahren angekommmen? “Schulhof Problemviertel” oder “Chefredaktion Boulevardzeitung”?

Ein bischen Enttäuschung kann ich nicht verbergen (“Kann Träne”). Aber jetzt bin ich schon in der stammtischlichen Abwärtsspirale. Danke, Provokateur! Also schmiere ich mit Folgendem völlig ab: “Kann Johannistrieb, hat Rente.” (Herrn Trapattoni möchte ich dann doch noch nicht bemühen.)

Graphjam kreativ: Blinken-Lighten

 Roadkill, Spiessertum, Übersprung, Zeitgeschehen  Comments Off on Graphjam kreativ: Blinken-Lighten
Jul 122009
 

So schwer kann das ja nicht sein, hab ich mir gedacht, und einfach mal angefangen. Themen gibt es genug, und mit Graphjam kommen die nicht ganz so spießig-didaktisch-zeigefingerig rüber … oder … egal.

graphjam: why people use their indicators

In Englisch, weil der Graph Builder keine Umlaute versteht

Jun 192009
 

Was muss ich heute entsetzt in der Zeitung laut ddp über die Debatte zum Thema “Sperrung von Kinderpornografie-Seiten” lesen?

Kritik, wonach die Seitensperrungen der Anfang einer umfassenden Internetzensur sein könnten, wies sie entschieden zurück. «Es ist zynisch, in diesem Zusammenhang von Zensur zu sprechen, denn Vergewaltigungen von Kindern können nicht etwas sein, das in der Massenkommunikation zugänglich ist», argumentierte von der Leyen.

Da kann ich mich doch glatt darüber aufregen. Die Verwerflichkeit von Kinderpornografie will ich hier gar nicht diskutieren. Ebenso nicht die Wirksamkeit des Gesetzes, die wird an anderer Stelle (zum Beispiel in der c’t) bereits sehr umfangreich und auch vernünftig unter die Lupe genommen – nicht nur unter dem technischen Aspekt.

Mir geht es um den politischen Diskurs. Frau Ministerin von der Leyen (kann mir nicht vorstellen, dass die  Etymologie etwas mit  “von den Laien” zu tun hat) argumentiert im Bundestag nicht als Politikerin vor Experten, sondern als entrüstete, besorgte Megamutter vor einem öffentlichen Publikum. Dabei bleibt leider die Sachlichkeit auf der Strecke, wie dies häufig geschieht, wenn Politiker vor der Kamera sprechen.

Was macht sie da eigentlich? Im Grunde trifft sie zwei Aussagen, und beide enthalten die satanische Botschaft “ACHTUNG BÖSES WORT” im Subtext, der an die Massen gesendet wird.

 

Böses Wort Nr. 1: Zensur

Hui, damit will sie ja gar nichts zu tun haben. Zensur ist das, was Diktaturen machen. Böse Schurkenstaaten zensieren, aber nicht aufrechte Demokraten, die sorgen für Sicherheit und verteidigen die Demokratie. Jetzt ist Verteidigung angesagt, am besten durch Angriff, sie ist ja schließlich Politikerin. Und am besten gleich in der gleichen, uneflektierten Art angreifen, in der auch der Vorwurf verstanden wurde.

Dabei ist dieser Beißreflex gar nicht nötig. Ist Zensur wirklich böse? Nicht, wenn man sie wie in der Wikipedia (jaja, ich weiß) als Mittel auffasst, mit dem sich auch Demokratien gegen Rechtsverstöße schützen. Der Protest gegen das Gesetz gilt ja nicht der Zensur als solcher (mit der leben wir tagtäglich, Stichwort Jugendschutz), sondern gegen die mangelnde Grenzziehung zu einer undemokratischen, übertriebenen Zensur, die andere, höhere Rechte unnötigerweise einschränkt. Da müsste man über “nötig” und “unnötig” diskutieren.

Aber ich träume: Wir sind ja in Medialand, da will FvdL einfach nicht mit China, Iran, Nordkorea, und wie sie alle heißen, in einer Schmuddelecke gesehen werden, und sich schon gar nicht auf sachliche Argumente einlassen. Also heißt es Zurückschlagen mit der Waffe …

 

Böses Wort Nr. 2: Zynisch

Zynisch im Sinne von “menschenverachtend”. In der Nähe zu “Vergewaltigung zu Kindern” angebracht, um ganz klar zu signalisieren: Wer nicht zusammen mit ihr der Meinung ist, dass der Schutz von Kindern jede (noch so undemokratische, fragwürdige, potenziell uneffektive, feigenblättrige, populistische) Maßnahme rechtfertigt, dem unterstellt sie, dass ihm das Schicksal der Opfer egal ist. Schublade auf, Kritiker und Kritik unbesehen rein, Schublade zu, fertig.

 

Nicht, dass Politiker dieses Spiel nicht ständig treiben würden, ich mache mir da keine Illusionen. Aber kommt nur mir das so vor, dass es im Wahlkampfjahr besonders unerträglich wird? Punkte sammeln, Image verbessern, Wahlchancen steigen lassen, und das mit jedem Thema, das des Weges kommt? Wenn man den Gedanken mal weiterdenkt, dann könnte man vermuten, dass dieses Jahr die meisten Politiker alle anstehenden Themen – unter anderem das Leiden von Kindern, effektive Verbrechensbekämpfung, und alle weitern – einem anderen, viel wichtigerem Thema unterordnen: Ihrer eigenen Wiederwahl.

Das ist wirklich zynisch.

P.S.: Schreiben als Therapie – ich reg mich nicht mehr auf und kann weiterarbeiten. ’nuff said. Ist ja auch alles nix neues, oder?

Jun 172009
 

Nur mal so…

In Stuttgart gibt es:
306.386 Haushalte (Stand 2008)
29.808 Handwerksbetriebe (Stand 2007)
30.000 Dienstleister (natürlich geschätzt)
—————————————-
366.194 Einheiten, die je 2 Telefonbücher bekommen
(wir haben hier z.B. gleich 4 Stk. bekommen)

4,5 cm sind 2 Telefonbücher dick, ergibt
1.647.873 cm, das sind
16.478,73 m, macht
16,5 km

(1. jetzt muss das bloß noch jemanden interessieren)
(2. falls jemand bessere Zahlen hat, her damit)

Postwurf Update

 Spiessertum  Comments Off on Postwurf Update
Jun 172009
 

2 Tage später. Das Altpapier wurde immer noch nicht abgeholt. Vielleicht hätte ich doch kein Fax schicken sollen, sondern bin verpflichtet, den vorgegebenen telefonischen Weg zu gehen? Vielleicht gibt es da verbindliche Vorgaben, während es für das Zumüllen einer Stadt offenbar keine gibt? Vielleicht findet der Zusteller plötzlich nicht mehr den Weg in unser Haus, nachdem er seine Pflicht erfüllt hatte.

Oder, was informierte Kreise bestätigen: Vielleicht sind die zu beschäftigt damit, noch mehr Müll zu verteilen?

2 Kilo Postwurf

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Jun 152009
 

Uh-oh, die Wohnungstür geht so schwer auf. Was hängt von außen an der Klinke? “2 Stuttgarter Originale”. Nein, nicht Pfleiderle und Häberer, die würde ich ja noch gerne dort baumeln sehen. Sondern die “Gelben Seiten” und das “Megantane(*) Telefonbuch”, beide vom literarisch angesehenen Württemberger Telefonbuchverlag, in der großen Folioausgabe mit Goldschnitt. Und in einer Schwaroffski-Kristall-Plastiktüte.

Was ist den das für ein Vertriebsmodell? 2 Kilo Altpapier in Aspik unverlangt an jeden Stuttgarter Haushalt verteilen, um damit die “Reichweite des Werbeträgers” zu untermauern, und dann blöden Geschäftskunden teure Werbe-Einträge zu verkaufen, die niemand liest? Im Telefonbuch stehen doch eh nur noch alte Leute mit vierstelligen Telefonnummern – und die einzigen Telefonbuch-Leser sind die, die Opfer für ihre “Enkel-in-Notlage-schickt-Kumpel-zum-Bargeldabholen”-Masche suchen.

In welchem Zeitalter leben wir denn, dass man mal so eben einen kleinen Nadelwald über Stuttgart verteilt? Gibt es etwa Leute, die sich schon wochenlang auf die Lektüre des neuen Telefonbuchs freuen, oder auf die gelben Seiten, weil die sich so toll als Unterlage im Hamsterkäfig machen?

Ich jedenfalls bin der Meinung, dass ich mit meinem “keine Werbung”-Aufkleber genau dem widersprochen habe, geschweige den irgendwie mich auf einen Verteiler habe setzen lassen, wie eh diese “Serviceinformation” andeutet (Achtung, Realsatire)

"Serviceinformation"

"Serviceinformation"

Der Artikel würde nicht in der Kategorie “Spießertum” stehen, wenn es nicht auch eine Antwort gäbe:

Ich möchte Sie bitte, die heute unverlangt und gegen meinen Willen zugestellten Postwurfsendungen „gelbe Seiten” und „Telefonbuch 2008″ wieder abzuholen. Sie finden Sie an der Stelle, an der Sie sie zugestellt haben. Streichen Sie mich des Weiteren von Ihrem Verteiler.

Erklären Sie mir weiterhin, wie ich auf diesen Verteiler geraten bin, wo ich der Zustellung der beiden Werke nie zugestimmt habe. Sollte ich dies je in einem Vertragsverhältnis mit der Telekom getan haben, so ist diese Zustimmung spätestens seit dem Erlöschen des Vertragsverhältnisses mit der Telekom nichtig.

Ich finde die Art und Weise, wie Sie unnötig Tonnen von Papier verteilen, mit dem heute herrschenden Ökologiegedanken nicht mehr vereinbar. Zudem habe ich der Zustellung unverlangter Sendungen durch gut sichtbare Hinweise im Eingangsbereich des Hauses widersprochen.

Sollte ich nochmals Ihre Werke erhalten, behalte ich mir weitere Schritte vor.

Jawoll! Es lebe die Selbstbestimmung. Die sollen gerne ein auslaufendes Geschäftsmodell zu Tode reiten, aber dabei bitte die Natur in Ruhe lassen. Wenn es nach mir geht, holen die alle ihre Werke wieder ab. Nacheinander. Einzeln. Zu Fuß.