Drei Thesen zum gedruckten Buch

 Technik einfach, Zeitgeschehen  Comments Off on Drei Thesen zum gedruckten Buch
Jul 082010
 

Eine interessante Sammlung* von Aussagen prominenter Buchmenschen zur Zukunft des gedruckten Buches hat mich dazu bewogen, hier ein paar eigene Gedanken** zum Thema niederzuschreiben, die mich schon seit einiger Zeit bewegen.

Meinem Naturell gemäß sind meine Argumente für das gedruckte Buch eher grundsätzlich-analytisch-medienwissenschaftlicher Art. Schwurbelige Aussagen zur Haptik, Nostalgie und ähnlichem überlasse ich anderen***.

Es wird sicherlich der eine oder andere Aspekt noch auszubauen sein, aber hier sind mal meine drei Hauptthesen (Reihenfolge beliebig).

1. Buchseiten sind räumlich und parallel,
eBooks sind virtuell und sequenziell

Das hat verschiedene Konsequenzen. Eine sehr wichtige: Während man normalerweise ein Buch sequenziell liest, muss oder will man doch auch mal springen, Seiten parallel anschauen, Doppelseiten genießen etc. Oder man breitet zum Vergleichen, zum Studieren, oder zum Protzen zwei Quadratmeter Bücher vor sich aus. Das schafft auch auf lange Sicht keine App.

Dieses Grundprinzip rechtfertigt auch Buchhandel und Bibliotheken: Der blitzschnelle, gezielte Zugriff auf tausende von Büchern, der intuitive Zugang zum Media Container namens “Buchregal”, die unterschiedlichen, parallel verfügbaren Zugriffs- und Suchmöglichkeiten – das alles wird auf lange Zeit nicht so effizient auf einem Bildschirm möglich sein, trotz Coverflow.

2. Bücher sind ein Mittel der sozialen Interaktion

Dies wird sich zwar mit der Zeit wandeln, aber das gegenständliche Buch hat seinen festen Platz im menschlichen Miteinander. Kaufen, Schenken und Ausleihen gehen in ihrer Bedeutung weit über die reine Informationsbeschaffung hinaus. Damit werden auch Meta-Handlungen wie “eine Freunde machen”, “Belehren”, “den Horizont erweitern”, “Belohnen” oder “Beschämen” vollzogen.

Es wird wahrscheinlich (hoffentlich!) noch eine Weile dauern, bis man sich zum Geburtstag einen Schmuck-Link per Bluetooth überträgt. Vorausgesetzt natürlich, dass das geschriebene Wort auf absehbare Zeit überhaupt noch ein zentrales Kommunikationsmittel zur Vermittlung von Informationen und Ideen sein wird.

3. Bücher funktionieren auch ohne Strom

Die Reihenfolge ist doch nicht beliebig: Hier kommt mein Killer-Argument zum Abschluss. Ich beziehe mich dabei nicht (nur) auf den Weltenbummler, der im Urlaub “mal wieder so richtig 4 Wochen schmökern will”, um dann festzustellen, dass mitten in Indonesien sein E-Book-Reader den Geist aufgibt, oder auch nur der Strom nicht reicht****.

Viel wichtiger ist ein anderer Aspekt: Das physisch gedruckte oder geschriebene Wort (und Bild) ist eines der wenigen Kommunikationsmittel, welche sich unmittelbar und ohne Hilfmittel dauerhaft der menschlichen Sensorik erschließen. Steintafeln und Höhlenmalereien sind schon deshalb eine weitaus größere menschliche Errungenschaft als das Internet, weil sie erstmals abstrakte Ideen speichern und zugänglich machen konnten. Das gedruckte Buch ist die aktuellste Evolutionsstufe dieser Erfindung, und nicht das iPad.

Das heißt konkret: Es ist essenziell wichtig für jede Kultur, dass zentrale, lebenswichtige Informationen und Ideen zu jeder Zeit gedruckt vorliegen! Und nicht erst “on demand”. Jeder Leser und Besitzer eines gedruckten Buches trägt also dazu bei, dass essenzielle Grundlagen unserer Gesellschaft und Kultur redundant, wirtschaftlich und ausfallsicher reproduziert und gespeichert werden.

* Dazu bei Gelegenheit mehr.
** Auch wenn mich Herr.S jetzt wieder der Ernsthaftigkeit zichtigt – aber demnächst gibt es auch wieder mal ein Update zu den Fake Funny Road Signs, versprochen!
*** Auch wenn ich sie gut heißen mag.
**** Das iPad läuft mehr 10 Stunden am Stück – aber was ist das schon?

Kostenfalle bei Simyo: Surfen im Ausland

 Lebenshilfe, Zeitgeschehen  Comments Off on Kostenfalle bei Simyo: Surfen im Ausland
Jul 042010
 

Ganz so dick wie Kai Diekmann* von der BILD hat es mich nicht erwischt, aber in der Tat war ich von meiner Mobilfunkabrechnung nach zwei Tagen EU-Ausland überrascht: Die Datenkosten für ein paar Mal surfen (WM-Ergebnisse abrufen) lagen immerhin viermal höher als erwartet. Und dabei hatte ich mich extra noch vorher informiert. Demein!

Des Rätsels Lösung steckt wie immer im Detail: Während in Deutschland der Preis per MB angegeben, aber nach angefangenen 10kB-Blöcken abgerechnet wird (die sog. “Taktung”), wird er im Ausland nach 100kB-Blöcken abgerechnet. Der mündige Verbraucher soll dann offenbar von selbst (z.B. über seine horrende Rechnung) herausfinden, ein fehlender Hinweis auf die Taktung eine 100kB-Taktung bedeutet.

Und wenn dann das Handy mal eben auch nur 1kB herunterlädt, ist gleich schon wieder ein Nickel fällig. 😥

*den konnte ich mir nicht verkneifen

Jun 152010
 

wird immer größer, wenn die Sparmaßnahmen der Regierung durchgesetzt werden, hat eine Studie laut einer Meldung der SWR1-Nachrichten festgestellt.

Das finde ich jetzt noch nicht so tragisch. Aber sollte die große Schere sich dann auch noch öffnen oder gar auseinanderklaffen, dann wird uns der SWR sicherlich frühzeitig warnen. :mrgreen:

Mar 172010
 

Oje, ist das schon wieder so lange her, seit hier das letzte Mal was erschienen ist? Das liegt aber nicht nur daran, dass “Avatar” nichts mehr hergeben würde (’nuff said), sondern dass uns gerade der Mega-Aufreger “Parken im Stuttgarter Westen” schwer beschäftigt (und betrifft).

Was aber natürlich selbst schon ein Anlass zum Bloggen ist. Insbesondere, weil der “direkte Draht zur Verwaltung”, die Mail-Adresse “parken-west@stuttgart.de” wohl direkt im Papierkorb der Verwaltung landet (eine Woche keine Antwort). Also ist jetzt Öffentlichkeit angesagt.

Bevor sich hier aber demnächst die berühmte “righteous indignation” (vgl. auch r. indigestion) Platz verschafft, zunächst zum Auflockern* noch was Anekdotisches von der gestrigen Bürger-Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Kontext: Die Stadtverwaltung informiert die Bürger über das Konzept, mit dem das Parken verbessert werden soll. In einer Fragerunde verschaffen die Bürger ihren Herzen ein wenig Luft.

Nach vielen schwerwiegenden Argumenten tritt also gegen Ende der Fragerunde ein älterer, gepflegter Herr im grauen Kaschmir**-Pulli vors Mikrofon und lässt folgendes verlauten (alle Zitate aus dem Gedächtnis):

Ich wohne selbst in Möhringen, aber besitze ein 12-Familien-Haus in der Vogelsangstraße im Westen …

Yeah, denk’ ich mir, ein tapferer Fürsprecher für seine Mieter, und Parkplatz brauchen die sicherlich in Hülle und Fülle. Und er spricht weiterhin:

… da gibt es ja ab und zu Umzüge, und auch Renovierungen. Die Handwerker müssen ja auch parken. Und ich bin sicherlich auch 2-3mal pro Monat dort, um das zu beaufsichtigen …

Die Spannung steigt: Das sind neue Aspekte, aber worauf will er hinaus? Darauf:

… müssen die Handwerker und ich dann etwa Parkgebühren zahlen???

😯 Wow, können wir bitte unsere Parkprobleme tauschen? Ich übernehme gerne die 6 € Parkgebühren am Tag, zusammen mit der Villa in Möhringen und dem 12-Familien-Haus in S-West. Den Kaschmirpulli dürfen Sie behalten, aber statt Ihres Mercedes (Vermutung) sollten Sie dann doch lieber einen Smart kaufen. 🙄

Super, dass wir alle an einem Strang ziehen.

* Herr S. fürchtet, dass ich dieses Blog zu sehr ins Ernsthafte ziehe :mrgreen:
** don’t quote me on that***
*** don’t quote me on anything, by the way

Feb 142010
 

Beim Bäcker (piiiep) in (piiiiiiep)* kurz hinter Tübingen ein schwäbisches Konstrukt gehört, welches unbedingt der Nachwelt erhalten werden muss. Es deckt perfekt das linguistische Niemandsland zwischen Passiv, Finalsatz und Nominalisierung im Deutschen ab.

Honn’ se Ihr Brotkärtle zom Abgschtembld-Werra drbei?

* Sternenbäck in Gomaringen, im Real, wer es genau wissen will.

Feb 132010
 

Liebe Leser, freudig kann ich verkünden, dass mein kleines Experiment* gefruchtet hat. Eine Google-Suche über “Peter Bollin” listet uns schon auf Platz 3 hinter dem rührigen “Klaus-Peter Bollin” (not related), aber das schaffen wir auch noch.

Die Suche nach “Peter Bollin Mathematik” bringt uns sogar auf Platz 1 bei Google. Der Bärgeiz ist geweckt, vielleicht können wir ja mit diesem Artikel sogar das Ranking noch verbessern. Besser als die Sprechstunden im OAG sind wir jetzt schon.

Ich freu mich schon, wenn P.B. mal beim Ego-Googling hier landet. Nicht, dass das wahrscheinlich wäre, aber für alle Fälle schon einmal ein herzliches “Hallo”. Ich hoffe, er verzeiht mir, dass ich ihn ungefragt in ein wissenschaftliches Experiment eingebaut habe.

* mangels Konkurrenz, das gebe ich gerne zu

Feb 122010
 

Ein kürzlich abgegebener Kommentar hat mich zu einer Betrachtung von Modetees verleitet (vgl.: verlitten), tauchen doch seit einiger Zeit nach einem Abebben* der Roibusch-Welle** sogenannte “kreative Teemischungen” in den Supermärkten und Cafeteria-Teebars auf.

Mache sich jeder selbst ein Bild:

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Marketing-Berater (Lieblingstee “Kratzt Am Hals” von Lipton) eine Retro-Teewelle ausruft, und mit dann längst vergessenen Oldschool-Namen wie “Pfefferminz” oder “FAK” (Fenchel-Anis-Kümmel) bei seinem Auftraggeber die eine oder andere Million abgreift.

Abgesehen davon, dass man besonders am Arbeitsplatz sich genau überlegen muss, welchen Tee man trinken oder anbieten kann (ich denke da an “Klarer Kopf” oder “Oase der Aktivierung”), fallen mir zum aktuellen Trend natürlich sofort neue Namenskreationen**** ein.

Wie wäre es mit “Oase der Gleichgültigkeit”, “Wadi der Inneren Emigration”, “Wasserstelle der Nutzlosen Meetings”, und “Bekämpf den Kater”, “Ertrag den Klugscheißer” oder “Mach Dich Nackig”? Vorschläge herzlich willkommen!

* cooles Wort
** oder Roiboos, wie wir Profis*** sagen
*** oder Pros, wie wir Deppen sagen*****
**** Der Tee ist eh immer derselbe
***** The Return of the Mighty Footnote


Turned off by Robbie Williams

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Feb 022010
 

Bei aktuellen “turned-off” Stück vom Wochenende lässt sich sogar die Entstehungsgeschichte rekonstruieren

You know me von Robbie Williams

(vgl. das Video auf Youtube)

Vermuteter Dialog zwischen dem Manager und dem Produzenten

Mensch, nur 6 Stücke diesmal, das können wir doch nicht als volles Album verkaufen!

Dann nehmen wir halt noch 3 Stücke vom Abfall dazu!

Und wenn wir dann noch eines davon als Single verkaufen müssen?

Dann stecke ich Robbie in ein Hasenkostüm, das geht immer!

“You know me” war garantiert das dritte der drei Stücke.

Suchmaschinenoptimierung mit Peter Bollin

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Jan 262010
 

Ein kleines Abfallprodukt eines kürzlich veröffentlichten Artikels, der sich in einer Fußnote auf den berühmten, aber verkannten Mathematiker und Physiker Peter Bollin (lebend) bezog: Warum nicht mal eine Suchmaschinenoptimierung in dieser Richtung wagen?

Zu schlagen sind die Schwäbische Post (40 Jahre Jubiläum, wegen des Wettbewerbs nicht verlinkt), die Lehrersprechzeiten des Ostalb-Gymnasiums (dito [ohne tschö]), und ein Klaus-Peter Bollin, der gar nichts damit zu tun hat. Das Vorbild ist die “Hommingberger Gepardenforelle“. Mal schauen, was sich da erreichen lässt.