Tipps für den gepflegten Vernichtungsschlag

 Lebenshilfe, Professionalism  Comments Off on Tipps für den gepflegten Vernichtungsschlag
Feb 282010
 

… am Beispiel von “Avatar”, was sonst*.

In diesem Blog sind wie ja unparteiisch, politisch korrekt und neutral (wenn auch bestechlich), deshalb wie versprochen an dieser Stelle nach bewährtem Muster ein wenig praxisnahe Tipps für Erzschurken (sog. “worst practices”). Diesmal sogar richtiggehend fundiert recherchiert.

Also: Wir gehen mal davon aus, dass Sie ein prototypisch skrupelloser, politisch unkorrekter Sicherheitschef der paramilitärischen Schutztruppe einer ebenso skrupellosen, gierigen Bergbaugesellschaft sind. Völkermord gehört neben markigen Sprüchen zu Ihrem samstäglichen Standardrepertoire.

Der drohende Aufstand der edlen Naturvölker zwingt Sie nun geradezu zum präventiven Erstschlag. So weit, so gut. Wir sind ja noch in sofern vollkommen einig, dass die Zerstörung des allerheiligsten Heiligtums der Eingeborenen mit einer enormen Sprengladung die Moral des Aufstands zerstören und den Widerstand brechen würde. Aber aufgepasst: Offenbar ist die Zerstörung des “heiligen Baums” auch für Erzschurken ähnlich schwierig wie das Fällen eines Apfelbaums auf einer schwäbischen Streuobstwiese.

Deshalb hier ein paar Tipps:

Falsch:

Beladen Sie nicht ein träges, langsames, schlecht zu verteidigendes Landungsshuttle mit 2 Paletten Sprendstoff. Informieren Sie keinesfalls den ganzen Stützpunkt (inklusive der anwesenden gegnerischen Informanten***) über Ihren Angriffsplan. Den Zeitpunkt Ihrer Offensive sollten Sie weder groß verkünden noch so planen, dass der Gegner massig Zeit für heldenhafte Reden, Vorbereitungen und eine gute Mütze Schlaf hat.

Und vermeiden Sie unbedingt, mit Ihrer gesamten Kampfflotte geradewegs ins Verderben zu fliegen.

Richtig:

Denken erst einmal nach. Dann fällt Ihnen eventuell auf, dass die beiden Sprengstoff-Paletten bei einer geschätzten Größe von ca. 1,8 Metern im Quadrat jeweils nicht mehr als 7-8 Tonnen wiegen dürften.

Schauen Sie sich mal genauer Ihren besten Kampfhelikopter-Schlachtschiffdings an. Dann bemerken Sie vielleicht, dass der locker 8 Exoskelett-Kampfroboter trägt, von denen laut Pandorapedia jeder 1,7 Tonnen wiegt. Und dass der Flieger auch noch schnell fliegen kann.

Und? Hat es “klick” gemacht? Kostet es Filmschurken denn wirklich sooo viel Überwindung, einfach nachts heimlich den Sprengstoff einzuladen, schnell zum Heiligtum zu fliegen, mal kurz BOOM zu machen, und zum Frühstück wieder in der Basis zu sein? Gebietet die Berufsehre, stattdessen mit großem Getöse alles in den Sand zu setzen?

Übrigens, wo wir gerade dabei sind:

Noch falscher:

Beim finalen Auge-in-Auge-Showdown mit dem Helden niemals den letzten Moment auskosten. NIEMALS! Stümper!

* Nein, sooo gut ist der Film auch wieder nicht, aber er gibt halt viel Blogstoff ab. Selten** hat ein Film ein so idiotisches Drehbuch mit so eindrucksvollen Bildern kaschiert.
** von Roland Emmerichs Gesamtwerk mal abgesehen.
*** Überrascht? Sie selbst setzen ja massiv auf Verrat, warum also nicht auch der Gegner? Der ist zwar edel, aber nicht blöde.

Feb 212010
 

Seit dem dämlichen*, aber heldenhaften Tod von Winnetou (III) steht fest, dass filmische Dramaturgie und Heldentum nicht mit Vernunft und einem gewissen Lebenserhaltungstrieb in Einklang zu bringen sind.

Als jüngstes Beispiel dient James Camerons 3D-Spektakel “Avatar”: Ich möchte der kommenden Heldengeneration deshalb ein paar praktische Tipps an die Hand geben, damit Heldentat und Heldentod endlich ihr inniges Verhältnis lösen können.**

Nehmen wir also mal an, Sie hören auf den Namen “Trudy”, fliegen im Hauptberuf als Söldner einen Kampfhelikopter, und sind der guten Sache zugeneigt. Beim abschließenden, vernichtenden Angriff der Bösen auf die Guten haben Sie bereits die Seiten gewechselt, und stellen Ihren voll bewaffneten, magisch aufgetankten Flieger in den Dienst der edlen Wilden.

Falsch:

Streichen Sie nicht Ihren Helikopter mit den auffälligen Farben der Eingeborenen, um dem Feind Ihren Verrat zu verraten. Fliegen Sie nicht auf den viel größeren, schwer bewaffneten Kampfhelikopter des Oberschurken zu – zumindest nicht frontal. Tun Sie dies vor allem nicht, um sich für den erwählten Haupthelden zu opfern.

(Nebenbei: Wenn Sie sich diesen ganzen Quatsch schon nicht verkneifen können, dann verkneifen Sie sich wenigstens nach den ersten guten Schüssen auf den Oberbösen die spöttischen Bemerkungen, und HALTEN SIE DRAUF!)

Richtig:

Mischen Sie sich stattdessen unauffällig unter die Feinde. Fliegen Sie direkt hinter das schwerfällige Fluggerät, welches die todbringenden, den Widerstand brechenden Bomben ins Heiligtum der Eingeborenen transportiert. Zerstören Sie das Fluggerät mit gezielter Waffeneinwirkung durch die ohnehin offene Ladeluke. Sie schaffen das spielend, denn der Hauptheld braucht dafür ja nur eine Handgranate.

Jetzt können Sie sich dann immer noch überlegen, ob Sie lieber heldenhaft sterben oder davonkommen wollen.

So einfach kann das sein! 🙄 Und damit keiner behaupten kann, ich sei parteiisch, kommen demnächst ebenso gute Tipps zum Thema “Bösewichteln, aber richtig”.

* Heutzutage würde sicherlich ein schlauer TV-Forensiker oder -Pathologe nachweisen, dass die Kugel Old Shatterhand ohnehin verfehlt hätte.
** Der einfachste Tipp ist ohnehin “Freu Dich Nicht Zu Früh”, aber der gilt ja für Helden und Schurken gleichermaßen.

Ein Gedanke zu Weihnachten

 Zeitgeschehen  Comments Off on Ein Gedanke zu Weihnachten
Dec 192009
 

Merken eigentlich die Leute, die über die Kommerzialisierung, Entsinnlichung, Verweltlichung und Ritualisierung des Weihnachtsfestes lamentieren, nicht, dass Sie selbst schon längst ein Teil dieses Treibens sind?

Ups, erwischt 😳