Sep 032010
 

Der “Comedian” Dieter Nuhr war bei mir immer in latent hohem Ansehen, was sicherlich teilweise aus meiner Unwissenheit herrührt. Ich schau mir “Comedy” nicht gezielt an. Herr Nuhr hat aber bei den wenigen Begegnungen mit der einen oder anderen schlauen Pointe und seinem verschmitzten Grinsen einen eher positiven Eindruck hinterlassen.

Die Fallhöhe war also nicht unbeträchtlich. Den Absturz hat er nun in meinen Augen hinter sich. Er hat dabei auch gleich noch den Boden der Gleichgültigkeit auf dem Weg in die Tiefen der Verachtung durchschlagen.

Der Grund: Herr Nuhr hat wohl ein “iPhone”. Und Herr Nuhr mehrt sein Ansehen (bzw. ruiniert es – man kann das halt nicht steuern) in den “Social Media”, also im “Web 2.0”. “Herr” Nuhr “twittert”.*

Ich bin ihm dafür überaus dankbar. Sein überaus populäres Engagement (über 60.000 Schäflein) illustriert in idealtypischer Weise alles, was an Twitter falsch ist. Der Soll-Ist-Vergleich legt es an den Tag.

Soll:

Ein Schaffender (Medien-, Entertainment-, Informations-, …) hat Einfälle, Informationen, Materialien. Er prüft, optimiert, bewertet, testet, formuliert, verdichtet, kritisiert, veredelt, verwirft, optimiert sie. Das Ergebnis lässt er mir zuteil werden – gerne auch gegen Geld.

Ist:

N. hat einen Einfall. Er twittert ihn gleich. 60.000 iPhone-Nutzer unterbrechen ihre Tätigkeit.***

Ich habe lange über ein besseren Vergleich nachgedacht, aber rausgekommen ist immer nuhr etwas aus dem Fäkalbereich. Gleichwohl: Twitter kommt mir vor wie ein Darmvirus**, der den Qualitäts-Schließmuskel lahmlegt. Am Ende kommt keine wohlgeformte Pointe zum passenden Zeitpunkt raus, sondern laufend dünnflüssiger Humordurchfall.****

Da gibt es auch eine schöne Grundregel dazu:

Less is more

* Wo, das soll jeder selbst rausfinden, ich werde dahin nicht verlinken. So weit kommt das noch …
** Nein, ich werde hier nicht versuchen, eine “Comedy”-Pointe zu bringen, um mich zum besseren “Comedian” aufzuschwingen. Zumindest hab ich mir diesen Artikel aber lange überlegt.
*** Die Einzige, die hiervon profitiert, ist vermutlich Frau N. Früher hat er ihr wahrscheinlich immer seine “witzischen” Einfälle gleich mitgeteilt. Wer ihm wohl das iPhone geschenkt hat? 👿
**** vgl. Logorrhoe