May 092010
 

Liebe Gemeinde,

keine Woche ohne einen Blogeintrag, und sei es auch nur ein blöder. Das heutige Thema liegt mir aber schon seit langem auf der Seele. Genauer gesagt schreit jeden Morgen* irgendetwas in der Dusche: BLOG MICH!

Es handelt sich bei dem Schreihals um eine Flasche “tetesept Muskel & Gelenk Vital-Duschgel“. Und weil wir ja erwiesenermaßen ein Fachblog für Körperhygiene** sind, will ich diesem stummen Schrei gerne folgen.

Zur Entspannung und Lockerung von Muskeln und Gelenken. Mit Rosmarin und Kampfer […] fördert die Durchblutung und belebt so verspannte, müde Muskeln und Gelenke.

lese ich also auf der Flasche. Das kann ein Duschgel, ganz alleine? Ich frage mich ernsthaft, wie diese Wirkprognose in meinen 1-Minuten-Einseif- und Abspülzyklus passen soll. Oder muss man das Gel einwirken lassen, damit es wirkt? Wenn ja, wie lange? Wo finde ich einen Hinweis darauf? Soll ich Arzt und Apotheker fragen?

Vor allem der Umkehrschluss lässt einen aber wahrlich schaudern: Wenn nämlich tatsächlich innerhalb einer Minute eine Wirkung eintritt, was passiert dann, wenn man diesen Mörder-Wirkstoff mal länger auf der Haut lässt? Könnte es passieren, wie Leserin A. aus F. anmerkt, dass man dann vor lauter Entspannung von Muskeln und Gelenken nicht mehr mit eigener Kraft aus der Dusche kommt?

Mensch, da muss eine Warnung auf die Flasche!

DUSCHEN NUR UNTER AUFSICHT!

* mein Outing als täglicher Duscher, ganz nebenbei
** für die Seele ebenso, aber Herr S. lässt sich ja momentan ein wenig hängen

Dec 022009
 

Wie man allgemein weiß(*) und auch nachlesen kann, befasst sich dieses Blog ausgiebig mit der Körperpflege. Mal erfolgreich, ein andermal auch wieder nicht, wie das Umfeld dieses Blogs bestätigen kann.

Heute war mal wieder mein männliches Duschbad leer (welches ja bekanntlich von Schamanen aus Altöl und toten Tieren gewonnen wird), und musste auf “Fenjal VITALITY Duschpeeling” zurückgreifen, von dem es heißt:

fenjal VITALITY Duschpeeling mit milden Mikroperlen glättet sanft die Hautstruktur und verleiht ein ebenmäßiges Hautbild

Abgesehen davon, dass diese Verpackungs-Schreiberlinge voneinander abschreiben und Schwachsinn labern (“verleiht” ein Hautbild – think about it), ist die Ähnlichkeit zu den beliebten Öl-Mikroperlen überdeutlich:

  • Homöopathisch winziger Anteil von kratzigen Partikeln (Sand? Kraftwerksschlacke?). Eben so, dass es Konsument(in) grade mal spürt
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Hauptpartikel damit abschrubbt, geht gegen Null
  • Beim Abspülen hingegen muss man jeden einzelnen Partikel mit der Dusche wegkärchern, weil man sonst den ganzen Tag Qualen leidet

Dabei ist diese Pampe so beschaffen, dass man damit eher Kratzer in der Haut als einen Peelingeffekt erreichen (verleihen?) kann. Aber man fühlt sich gut dabei, und der Geldbeutel wird mal so richtig durchgepeelt.

* Sagt man halt so (**)
** Schon gemerkt? Ich schreibe neuerdings gerne Fussnoten

Jun 252009
 

Der liebe Procrastinator (A.) hatte da gestern noch ein interessantes Thema aufgetan, dem ein kurzer Kommentar nicht gerecht würde. (Immerhin sind wir schon so weit, über Körperpflege zu diskutieren.)

Das Problem mit den Körperpflegeartikeln liegt ja nicht wirklich in den “Artikeln”.

Mal ganz abgesehen davon, dass ein Peeling-Effekt doch ganz schön sein kann, muss man dazu nämlich erst mal Duschen. Für Männer: Man muss sich NASS machen. Mit WASSER! Nicht Schwitzen! Wer so weit kommt, dem ist jedes Duschgel-Versprechen egal. (“Ach so riecht das. Hab ich das gekauft? Irgendwas braucht man wohl, wenn man “regelmäßig Duschen” muss. Wenigstens sieht die Verpackung gut aus”). Ein “Peelingeffekt” muss sich in dieser Situation erst einmal bemerkbar machen. Und das tut er erfahrungsgemäß nicht (s.o., qed). Und – unter uns – wer hat schon die Zeit eine Verpackungshülle zu lesen (insofern: Respekt, A., erhalts Dir!).

Ähnliches Phänomen, nur andersrum: “Gesichtsbalsam für Männer”. Der macht sich bemerkbar ! Der tiefere Sinn liegt wohl darin, dass bestimmte Leute der Meinung sind, zu einem männlichen Gesicht gehöre eine einbalsamierte Haut. Lederhaut hält sich ja bekanntlich länger und hat dieses “Hans-Albers-Flair”. Verblüffend, dass sich das heutzutage noch verkauft. Schmerz spürt man nach einiger Zeit auch nicht mehr, das könnte männlich sein. (unrelated: …ich hatte da mal ein Erlebnis mit einer Bienengiftcreme im Gesicht. Die konnte man gut spüren…).

Fazit:
1. Ob “Peeling” draufsteht oder nicht, ich kaufe nach Packungsdesign.
2. Wahrscheinlich finde ich es gut, vorne-oben so auszusehen, wie Paviane hinten-unten, sonst würde ich nicht immer wieder den gleichen, schön verpackten, Gesichtsbalsam kaufen.

Jun 242009
 

Ich bin ja ein schlichtes Gemüt, und das bezieht sich mitunter auch auf die Körperpflege. Ein Duschgel muss Körperschmutz beseitigen, Platz für neuen schaffen, Gerüche beseitigen und darf auch gut riechen. Es darf auf keinen Fall die Haut verfärben, Körperteile ablösen oder Dämonen anziehen. So einfach ist das – oder?

Die von mir geliebte Kosmetikindustrie meint anderes. Nachdem sich die abstrusen Begegnungen mit Körperpflegeprodukten in letzter Zeit häufen, seien die an dieser Stelle aufgezeichnet – als eine Form von Exorzismus, wenn man so will. Begone, Transpirant!

Das “Tetesept Muskel & Gelenk Vital Duschgel”, welches zur Zeit durch die Werbung geistert, ist ja noch recht harmlos, folgt aber meinem Gebot der Schlichtheit auch nicht. Ich frage mich, was diese Spezialisierung auf Muskeln und Gelenke bedeuten soll: Muss ich für Weichteile und Körperfett ein anderes Duschgel nehmen? Wie kann ich verhindern, dass es auf andere Körperstellen als Muskeln und Gelenke gelangt, um keinen Schaden anzurichten? Muss ich morgens erst einmal meinen Körper abkleben?

Spaß beiseite: Ein latentes Ärgernis (ein einfacher Mechanismus: Schwachsinn ärgert mich) ist Duschgel mit Peeling-Effekt. Das schreit nach einer Abmahnung. “Peeling-Partikel-Beimengungs-Versuche” wäre weniger irreführend, aber ist der Peeling-Effekt nachgewiesen? Wieviele meiner Millionen loser Hautschuppen werden von den geschätzten 50 Peelingpartikeln abgeschrubbt, die eine normale Portion Duschbad enthält? Kann man von einem Verhältnis 1:1 (Partikel zu Schuppe) ausgehen? Weniger? Liebe Hersteller, wenn Sie einer Abmahnung entgegnen wollen, ändern Sie bitte den Slogan in “möglicher schwacher subjektiver Peeling-Eindruck” (wahlweise -vorstellung, -selbstbetrug).

Und damit ist auch noch nicht geklärt, warum ich mir überhaupt ein Duschbad antun soll, welches sich so anfühlt, als ob jemand mit einer Charge reinsten Duschbades einen Unfall in einer Sandgrube gehabt hätte, um dann durch eine rasche Umdeklaration den Entsorgungskosten zu entkommen? Herr S., gibt es da eine Meinung dazu?

Mein Liebling und Auslöser dieses Artikels ist jedoch meine heutige Duschbegegnung. Nachdem sich aus meinem Heavy Duty V8 Small Block Working Man’s Truly Honest Ultra Cleaning But Nothing More Shower Gel kein Tropfen mehr erlösen ließ, musste ich bei der Nivea Lemon Grass and Oil Pflegedusche (Zwischenfrage: Welcher Name war da jetzt besser?) ein wenig “Inspirierende Frische und erlebbare Pflege” räubern. Erster Hautkontakt – Bäääääh. Schon wieder so Peeling-Zeugs? Aber ein Blick aufs Etikett offenbart erst das ganze Grauen, es ist wahrlich ein Blick in die Vorhölle des Marketing:

Spüren Sie, wie die wertvollen Ölperlen auf der Haut zergehen und dabei Körper und Seele verwöhnen. Ein Gefühl wie neugeboren.

Ich vermute, der Verfasser dieser Zeilen nimmt regelmäßig Ölperlen nasal auf, und sie zergehen ihm dann im Hirn. Auf der Haut jedenfalls wartet man gespannt darauf, wie und vor allem wo die geschätzten 10 (!) Ölperlen pro Portion Duschbad (bei ca. 0,5 mm Perlendurchmesser) zergehen könnten, bevor man sie wieder abspült. Und ob sie dabei vielleicht noch ein paar Quadratzentimeter Haut ölen. Im Selbstversuch kann man zum Vergleich auch mal probieren, sich mit 3 Tropfen Olivenöl den Körper einzuölen – gleicher Effekt, vermute ich.

Wenn also irgendwo bei Nivea die Stelle dessen zu besetzen sein sollte, der sich mutig einem perlenerfindenden Chemiker auf seinem Weg in die Marketingabteilung in den Weg stellt, dann denken Sie bitte an ich. Kontakt im Impressum. Danke!