Opel-Sanierungsmaßnahmen leicht gemacht

 Lebenshilfe, Professionalism, Zeitgeschehen  Comments Off on Opel-Sanierungsmaßnahmen leicht gemacht
Jul 222012
 

Never say never, sag ich da nur, aber das hier muss auch noch raus:

Lese ich doch in der Zeitung (ja, analog), dass sich Opel von 500 Managern trennen will (fette Abfindung inklusive). Das alleine ist ja nicht bemerkenswert, sondern die Zahlen am Rande: Von 40.000 Opel-Mitarbeitern sind 12.000 Führungskräfte!

Jetzt sitze ich ja in Bezug auf das Führungskräfte-zu-Mitarbeiter-Verhältnis selbst “so was von” im Glashaus (2:1), aber ein Kommentar muss doch erlaubt sein. Besonders angesichts der erschreckenden Tatsache, dass die weitaus meisten Autos meines jungen Lebens Opels waren (2x Kadett C, Rekord E, Astra H, Astra J). Das Schicksal der Firma liegt mir ein wenig am Herzen.

So kam es gestern bei einer lockeren Plauderei zu einer schnellen Musterrechnung in Excel. Denn wenn man davon ausgeht, dass 28.000 Opelaner wirklich am Band stehen und etwas arbeiten, dann sollte man doch recht schnell das Führungskräfte-zu-Mitarbeiter-Verhältnis (FMV) ausrechnen können. Und daraus auch die Anzahl der Hierarchieebenen.

Nach einigem Rumprobieren kam folgendes raus:

Ebene Mitarbeiter
1 28000
2 8408
3 2525
4 758
5 228
6 68
7 21
8 6
9 2
10 1
Gesamt 40017

Das heißt: Die 40.000 Opelaner lassen auf ein FMV von 1 : 3,33 schließen. Nochmal: EINE Führungskraft führt im Schnitt DREI plus ein Drittel Leute. Damit ist zwar noch nicht gesagt, ob diese Führungskraft selbst was arbeitet oder nur kräftig führt, aber die Zahl kommt mir schon arg schmal vor. Geht man auch noch von erhöhten Gehältern und Ansprüchen aus, möchte ich nicht Opel mit diesen 12.000 Führungskräften sanieren müssen.

Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass (wenn man mal die Ebenen 8-10 als gesamten Vorstand rechnet) die mittlere Führungshierarchie aus 6 Ebenen besteht! Wie lange kann das wohl dauern, bis da Entscheidungen gefällt und kommuniziert werden? Das ist in meinen Augen eine institutionalisierte Stille Post, wenn Ihr mich fragt. Kein Wunder, wenn sich immer wieder Opelaner in den Medien beklagen, dass Sie Entscheidungen erst aus der Presse erfahren.

Deshalb meine Gegenrechnung mit einem FMV von 1 : 8. Ich denke, keine Führungskraft ist durch die Führung von acht Untergebenen überfordert, oder?

Ebene Mitarbeiter
1 28000
2 3500
3 438
4 55
5 7
6 1
Gesamt 32000

Wieder unter der Annahme, dass die Ebenen 5 und 6 den Vorstand darstellen, halbiert das die Anzahl der mittleren Führungsebenen von 6 auf 3, und reduziert die Mitarbeiter-Zahl um 8.000 (=> “Führungskräfte” :evil:). Bei einem durchschnittlichen Führungskräftegehalt von angenommenen 75.000€  sind das mögliche Einsparungen von 600 Millionen Euro im Jahr (abzüglich der Millionen für Price, Berger & Young). Und v0r allem: Wenn meine Vorstellungen von den Opel-Strukturen auch nur annähernd zutreffen, läuft der Laden ohne diese Führungskräfte nachher besser.

Leider wird kaum eine(r) dieser 8.000 Führer(innen) freiwillig auf Status / Gehalt / Scheffsessel verzichten und sich ggf. wieder ans Band stellen. Genauso werden die anderen, verbleibenden 4.000 vorbeugend über ihre Arbeitsbelastung klagen (“3 Mitarbeiter waren schon viel, aber der Herr Drittel, der hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Noch mehr geht einfach nicht”). Ich fürchte, Opel wird sich nur über eine Pleite sanieren können.

Schade, gute Autos.

Mar 172010
 

Oje, ist das schon wieder so lange her, seit hier das letzte Mal was erschienen ist? Das liegt aber nicht nur daran, dass “Avatar” nichts mehr hergeben würde (’nuff said), sondern dass uns gerade der Mega-Aufreger “Parken im Stuttgarter Westen” schwer beschäftigt (und betrifft).

Was aber natürlich selbst schon ein Anlass zum Bloggen ist. Insbesondere, weil der “direkte Draht zur Verwaltung”, die Mail-Adresse “parken-west@stuttgart.de” wohl direkt im Papierkorb der Verwaltung landet (eine Woche keine Antwort). Also ist jetzt Öffentlichkeit angesagt.

Bevor sich hier aber demnächst die berühmte “righteous indignation” (vgl. auch r. indigestion) Platz verschafft, zunächst zum Auflockern* noch was Anekdotisches von der gestrigen Bürger-Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Kontext: Die Stadtverwaltung informiert die Bürger über das Konzept, mit dem das Parken verbessert werden soll. In einer Fragerunde verschaffen die Bürger ihren Herzen ein wenig Luft.

Nach vielen schwerwiegenden Argumenten tritt also gegen Ende der Fragerunde ein älterer, gepflegter Herr im grauen Kaschmir**-Pulli vors Mikrofon und lässt folgendes verlauten (alle Zitate aus dem Gedächtnis):

Ich wohne selbst in Möhringen, aber besitze ein 12-Familien-Haus in der Vogelsangstraße im Westen …

Yeah, denk’ ich mir, ein tapferer Fürsprecher für seine Mieter, und Parkplatz brauchen die sicherlich in Hülle und Fülle. Und er spricht weiterhin:

… da gibt es ja ab und zu Umzüge, und auch Renovierungen. Die Handwerker müssen ja auch parken. Und ich bin sicherlich auch 2-3mal pro Monat dort, um das zu beaufsichtigen …

Die Spannung steigt: Das sind neue Aspekte, aber worauf will er hinaus? Darauf:

… müssen die Handwerker und ich dann etwa Parkgebühren zahlen???

😯 Wow, können wir bitte unsere Parkprobleme tauschen? Ich übernehme gerne die 6 € Parkgebühren am Tag, zusammen mit der Villa in Möhringen und dem 12-Familien-Haus in S-West. Den Kaschmirpulli dürfen Sie behalten, aber statt Ihres Mercedes (Vermutung) sollten Sie dann doch lieber einen Smart kaufen. 🙄

Super, dass wir alle an einem Strang ziehen.

* Herr S. fürchtet, dass ich dieses Blog zu sehr ins Ernsthafte ziehe :mrgreen:
** don’t quote me on that***
*** don’t quote me on anything, by the way

Jun 222009
 

“Sehr geschätzte Stammkunden, liebe Kollegen

Nach einem halben Jahr intensiver Vorarbeit konnten Sie glücklicherweise alle Ihre Teilnahme an unserem heutigen milestone-meeting ermöglichen.

Als Projektleiter hatte ich für Details selbstverständlich keine Zeit und kann mich deshalb, ebenso wie Sie, vom nun folgenden Vortrag unseres Praktikanten überraschen lassen. Für ausführliche Fragen stehe ich Ihnen anschließend gerne kompetent zur Verfügung.

In den nächsten 2.5 Stunden wird Ihnen mein Kollege einen profunden Einblick in unseren bisherigen Projektstand geben. Um die konstruktive Atmosphäre nicht nachhaltig zu stören, sehen wir von jeglicher Darstellung ab. Ich denke wir sind uns einig, dass Text und Bild den Projektprozess durch Fixierung negativ beeinflussen können. Es wäre schade, wenn bei der abschließenden Entscheidung der Eindruck entstände, es wären nicht alle Einzelinteressen voll berücksichtigt.

Dieses Vorgehen versetzt uns in die glückliche Lage, Ihnen 100% Zufriedenheit für den heutigen Tag garantieren zu können.

Im Anschluss erhalten Sie ein, dem Grundgedanken der Projetkvorstellung gerecht werdendes, Sitzungsprotokoll in Form eines warmen Händedrucks.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.”

So, liebe Weiterbilder, sieht der gelungene Einstieg in ein effektiv geführtes project-meeting aus. “A nice little time-saver”, wie ich zu sagen pflege. Beachten Sie den ressourcenschonenden
Materialeinsatz und die hohe Kundenzufriedenheit direkt nach Ende des meetings.

Wird später – völlig entgegen aller Erwartungen – ein “schriftliches” “Protokoll” angefordert, bietet sich eine kurze Stichwortliste an (gerne kryptisch – Spieltrieb! oder aus einem anderen meeting. Zuständigkeiten und Termine vermeiden!)

Dax bedenken! K u t go w!

Jun 112009
 

Wer kennt sie nicht, die liebgewordenen Anrufe aus dem Kollegen- und Kundenkreis:

“Können Sie mir bitte die Akten zum Vorgang »unimportant« aus Projekt »0« raussuchen?” – “Die hab ich Ihnen bereits in Kopie 1 bis 5 geschickt” – “Das habe ich genau jetzt nicht vorliegen und »der Kollege ist grad zu Mittag«. (Ausgesprochen: “Akten nochmal oder die Zeit geht jetzt sofort am Telefon drauf. Akten dann im Anschluss.”)” [Der weitere Ablauf enfällt aus Platzgründen (und weil mein Arzt gesagt hat, ich soll mich schonen)]

Wir erledigen das gerne, liebe Weiterbildungshungrige, das ist selbstverständlich und in das Budget einkalkuliert (Spalte: unbezahlte Überstunden).

Günstig in diesem Zusammenhang (Expertentipp!): Exzessiv ausgefuxte und beständig nachgearbeitete Akten- und Datenablage. DAS SPART ZEIT. Außerdem können die dann sprunghaft steigenden Anfragen viel zügiger abgearbeitet werden.

Vorteil bei Kollegen: Es bleibt alles in der Firma! Und die Kollegen helfen ja auch immer, wo sie können (vgl. professional time management tip no. 3).

Vorteil bei Kunden: Die Kunden können Personal einsparen und Ihre Wirtschaftskraft erhalten (möglicher zukünftiger Stammkunde / Arbeitgeber (bei Übernahme)!)

Unterm Strich also: Empfehlenswert!

Wie immer gilt: Spezialwissen fleissig anwenden! Dax!

Keep up the good work (k u t go w)!

Jun 032009
 

Wer kennt dieses Problem nicht: Plötzlich rasante Nachfrage nach Informationsoutput von Extern, möglicherweise auch noch kreativ angehaucht.

Beispiel: Kindernamen. Wird bekanntlich von jetzt auf gleich gebraucht.

Bevor die Spannung unerträglich wird – es geht gut aus. D.h. Geburt erst in mehreren Monaten, es muss noch nichts entschieden werden.

Wer einen Internetanschluss hat, kann sich sowieso erstmal entspannt in den Ohrensessel schmiegen. Nichts leichter, als sich – ganz  kreativ  – online ein paar tausend Namen anzuschauen.

Da klingt anfangs natürlich jeder ein bischen blöd (oder besser: TOTAL blöd). Nach ca. 200 unterschiedlichsten Namen (alle mit “A” beginnend, außer bei den Exotenseiten, die das Alhpabeth von hinten aufziehen oder mit Zahlen beginnen), also, nach einer gewissen Angewöhnung geht es dann schon etwas leichter.

Am besten – breaking the ice – sucht man sich den Namen raus, der im Vergleich zu seinen direkten Nachbarn einen minimal besseren Eindruck macht; was auch immer “besser” in dieser Phase unserer Suche bedeutet. Ist aber die Hemmschwelle erst einmal überwunden, klingen plötzlich der überübernächste, der 3. von “B” und eine ganze Reihe mit “Ba” recht akzeptabel.Von jetzt auf gleich hat man ein wahres Füllhorn an Spitzennamen. UND es stellt sich ein Gefühl der Erleichterung und – zugegeben – Stolz ein. Das war nicht so schwer… Aufgabe  BRILLIANT  gelöst.

Jetzt die ganze Auswahl in eine lange Liste kopiert, kurz das Layout überarbeiten (dazu ein andermal mehr) und… später triumphal präsentieren. (Weiss gar nicht, warum da einige “Probleme” haben, looser.)

Hinweis: Es waren in unserem oben beschriebenen Beispiel natürlich keine tausend Namen im Spiel – das Ganze funktioniert auch mit ein paar Hundert. Der Autor musste sich aus “Zeitgründen” auf biblische (http://www.namenspatron.de) und germanische Vorrnamen (http://www.runenkunde.de) beschränken. (1. Grund für die Auswahl: Es waren die ersten “kurzen” Ergebnislisten 2. Die websites wurden NICHT auf sonstige unerwünschte Inhalte überprüft (Sekte, rechtsextremer Hintergrund, Langeweilegefahr) – Besuch also auf eigenes Risiko).

Epilog und Expertentipp:
Die gespeicherte Liste  NIE ein zweites Mal durchlesen! Die Liste auch  NICHT präsentieren – jede Ausrede bietet sich an,  JEDE! Außer Schamgefühl und dem völligen Verlust von Selbstsicherheit und Kompetenz in Geschmacksfragen stellt sich kein dauerhaftes Ergebnis ein.

(Uroma und Uropa hatten doch sooo schöne Namen…)

Das Ding hat einen Namen: Zeiterfassung

 Dilbert  Comments Off on Das Ding hat einen Namen: Zeiterfassung
Jun 012009
 

Traurig, wenn die erste Frage bei neuen Projekten nicht ist “was braucht der Kunde” oder “wie setze ich das um”, sondern “worauf kann ich das buchen”?

Bild urheberrechtlich geschützt, verlinkt von www.dilbert.com

Zeiterfassungen sind notwendig – und böse.