Jan 152011
 

Welcome back!

Achtung, jetzt kommt eine Zahlenwüste!

An dieser Stelle fragt sich heute ein Konsument, warum/ob nicht schon ein tapferer Verbraucherverband die aktuelle MediaMarkt-Kampagne “1000 Artikel zum Einkaufspreis” abgemahnt hat. Meiner Meinung nach ist das entweder eine faustdicke Lüge, oder  die Media-Markt-Einkäufer sind rattenschlecht. Urteilt selbst.* Vorab noch: Hier geht es nicht um Winzbeträge, sondern um Differenzen im zig-%-Bereich!

Die Vorgeschichte: Diverse Vorkommnisse elektronischer Art haben mir in letzter Zeit bewiesen, dass diejenigen bescheuert sind, die elektronische Geräte vor Weihnachten kaufen. Nach Weihnachten stehen regelmäßig die Saturns und Mediamärkte mit Schnäppchen voll, für die vor Weihnachten eigens die Preise angeboben wurden. Die Internet-Preise sind da ein guter Maßstab, weil sie eher einem transparenten Wettbewerb entspringen.

Beispiel: Gerät A** ist im Internet für (wenigstens) 369,- zu haben, das etwas kleinere Modell immer noch für 269,-. Als Saturn es für 199,- bewirbt, kann man getrost zuschlagen. Gerät B** kostet im Internet mindestens 329,-, bei Media Markt im Einkaufspreis 282,uepz***. Da nimmt man denen sogar den “Einkaufspreis” ab – besonders angesichts der Tatsache, dass der reguläre Preis bei MM (“so macht man billig”) stolze 449,- beträgt.

Aktuell nun Gerät C** für 244,uepz im Einkaufspreis. Ein Schnäppchen angesichts der regulären Auszeichnung des Gerätes mit 399,- im Regal nebenan. Mag man meinen. Hätte man das Gerät nicht vor 2 Tagen bei einem anderen Mediamarkt, keine 30km entfernt, zufällig in einer “Aktion” für einen “Verkaufspreis” von 199,- (regulär: 299,-) gesehen.

Wie niedrig der Einkaufspreis eigentlich sein mag, kann man nach einer Preisrecherche im Internet ahnen. Da wird dasselbe Gerät für ganze 149,- plus Versand feilgeboten. Entweder sollten sich die MM-Einkäufer also einen neuen Job suchen, oder beim “Einkaufspreis” handelt es sich um übermäßiges Anlocken. Eine solche Mischkalkulation aus überteuertem Regulärpreis, echten und vermeintlichen Schnäppchen sorgt zumindest dafür, dass unterm Strich ein Gewinn rauskommt.

Auszeichnungen auf der Homepage:  “9,5 billiger als im Internet” und “Händler des Jahres 2010”. Ein Schelm …. Kein Einkauf mehr ohne meinen Anwalt, äh, Preisvergleich im Internet.

“Mediamarkt – die halten mich für blöd”.

* Ich möchte gar nicht erst das Phänomen “morgens beworben, und um 11:00 ist der (einzige) Artikel weg” ansprechen. Ebenso soll dies davon handeln, dass sich Leute von günstigen Preisen zum Kauf eines untauglichen Gerätes verleiten lassen.
** Namen den Redaktion bekannt.
*** uepz = und ein paar Zerquetschte. Nachkommastellen entsprechen der Psychologie des Einkaufspreises, obwohl ich keinen Einkäufer kenne, der nicht gerne runde Einkaufspreise vereinbart.

Sep 262009
 

Weil mein gut gemeinter Vorschlag unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn ist, werde ich ab jetzt in lockerer Folge mein Training als MMPAÜ offen legen.

Lektion 1:

Websession USB-Stick Art. Nr.: 1235955
BEREITS AB € 0,49 INS INTERNET (18)

29,-

(18) Dieser Stick ist so günstig, weil er nur mit der mitgelieferten CallYa-Karte funktioniert.(a) Wenn Sie den Stick mit anderen Karten nutzen möchten, gilt: € 100 zuzahlen oder 24 Monate warten.(b) Die mobile Datennutzung über den APN (Zugangspunkt) event.vodafone.de (c) erfolgt in vorausbezahlten WebSessions für bestimmte Zeiteinheiten. Einmal begonnene WebSessions werden unabhängig von der Nutzung nach dem gebuchten Zeitraum beendet.(d) Eine WebSessions im dt. Vodafone Netz wird unabhängig von der gebuchten Zeit nach Ausschöpfung eines Datenvolumens von 1GB für Download und Upload beendet.(e) Für die Nutzung im dt. Vodafone Netz gelten bis zum 31.09.2009 folgende Preise: 15 Min. 0,49€, 2 Std. 1,95 € oder 7 Tage 9,95 €, danach erfolgt die Abrechnung zu folgenden Preisen: 30 min €1,95, 1 Std €2,95, 24 Std €4,95.(f) Für die Nutzung ist ein Mindestguthaben in Höhe des Nutzungspreises erforderlich.(g) Datenübertragungsrate ist standort- und netzabhängig. Das VodafoneUMTS-Netz ist bereits in über 2.500 Städten und Gemeinden verfügbar.(h) Infos zur individuellen Netzabdeckung sind unter www.vodafone.de abrufbar. Die SIM-Karte ermöglicht nur paketvermittelte Datendienste im UMTS- und GPRS-Netz, andere, insbesondere leitungsvermittelte Dienste sind deaktiviert.(i) Die Nutzung von WebSessions für Voice over IP und Peer-to-Peer ist nicht gestattet.(j) Sonderdienste/nummern werden abweichend tarifiert.

Und hier die Übersetzung (Tipp: Text mit der Maus markieren):

(a) OK, kein Problem, daran hat sich das Volk gewöhnt.

(b) Als ob das eine Alternative sei. So einen Stick gibt es schon für € 60,- auf Ebay

(c) Uh-oh, eine Festlegung auf einen speziellen Event-APN. Wenn man den normalen von Vodafone nimmt, wird es wahrscheinlich richtig teuer …

(d) Harmlos und OK.

(e) AHA, Pferdefuß Nummer eins: Download bricht wegen Zeit oder Datenvolumen ab. Wenn ich nach Zeit bezahle, sollten die Daten nicht beschränkt sein.

(f) Der Hammer! Maximal eine Woche (1) gilt das tolle Angebot, danach wird es um 100%, 200% bzw. 350% teurer. Nennt man so etwas nicht “Wucher” und “übermäßiges Anlocken”?

(g) Das kennt man ja schon: “Prepaid” heißt “zinsloses Darlehen” für den Mobilfunkprovider.

(h) Wieviele Städte und Gemeinden gibt es in Deutschland?

(i) Sprich: Mit der Karte kann man nicht telefonieren. Da sind andere weiter.

(j) Und wieder so eine Einschränkung. “Nicht gestattet” ist alles, was Spaß macht und Nutzen bringt.

Sep 252009
 

Arbeitsmarkt aufgepasst, es bildet sich ein neues Berufsbild: Der kommerzielle Mediamarktprospektangebotübersetzer. Ich rede dabei nicht von Leuten, die mit “ultra-glare high brithness LED backlit low-fat OLED display” etwas anfangen können.

Der MMPAÜ muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Exzellente Augen, um 4-Punkt-Schrift in Schwarz auf Rot lesen zu können (Weiß auf Gelb ist eine willkommene Zusatzqualifikation)
  • Gute Orientierung in Schachtelsätzen
  • Gesunder Menschenverstand

Ja, ich rede von den über 40(!) kleingedruckten Mobilfunkt-Vertragserläuterungen im aktuellen Mediamarkt-Prospekt vom 25.9.2009. Eigentlich könnte man sich die alle sparen und gegen eine fett und groß gedruckte Einheitsklausel (natürlich als Schachtelsatz) ersetzen:

Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre Gier auf den riesigen, fett gedruckten Preis dazu führen wird, dass Sie ein Produkt bekommen, mit dem Sie nichts anfangen können, welches aber trotzdem horrende Kosten verursachen wird. Das zehnfache dieser Kosten fällt an, wenn Sie das Produkt auch wirklich benutzen. Unter folgender kostenpflichtiger Servicenummer können Sie eine Privatinsolvenz anmelden …

Ich werde in ein paar folgende Artikeln mal Einblick in mein Training als MMPAÜ geben. Stay tuned!