Philips, mein Champion der geplanten Obsoleszenz

 Allgemein, Lebenshilfe, Professionalism, Spiessertum, Technik einfach, Zeitgeschehen  Comments Off on Philips, mein Champion der geplanten Obsoleszenz
Jan 042014
 

Lange schwelt das Thema “geplante Obsoleszenz” (ab jetzt “g.O.“) bei mir schon, aber heute bricht es sich seinen Weg ins Blog. Wer noch nicht weiß, um was es sich da überhaupt handelt, dem sei folgendes Video ans Herz gelegt:

In dem Beitrag geht es schlicht und einfach darum, dass Produkte so entworfen und produziert werden, dass sie früher als nötig (und als ökologisch vertretbar) kaputtgehen. Dazu gehört auch, dass eine Reparatur so schwer gemacht wird, dass sie wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Folge: Ein neues Produkt muss her, und die Wirtschaft kann auf Wachstum setzen. Ebenso wie die Müllhalden.

Ein bekanntes, neuzeitliches Beispiel war ein früheres Apple-Produkt (iPod, auch im Video erwähnt), bei dem der Akku ziemlich genau nach der Garantiezeit schlapp machte. Bei vielen Geräten wohl auch während der Garantiezeit, so dass Apple einen Rückzieher machen musste, und die Akkus auf Kulanz tauschte. Überhaupt ist die Masche, Akkus fest in Geräte einzubauen, das Paradebeispiel für g.O. Das ist nur ist das übelste Geschäftemacherei, sondern auch gefährlich.

Apple war lange Zeit mein Favorit für die Krone im Obsoleszenten-Reich, aber Philips hat sich die Herrschaft zumindest in meinem Herzen aber nun eindeutig erobert. Anlass: Bei unserem Wasserkocher wurde der Plexiglasdeckel brüchig. Durch Dampf. Bei einem Wasserkocher. Hätte man sich vielleicht denken können, dass der Deckel eines Wasserkochers ab und zu mit Dampf in Berühung kommt. Und mit heißem Wasser.

Wasserkocher Phillips 6770/20

Geplante Obsolenszenz im Deckel?

Ergebnis: Der nicht gerade billige, 3 Jahre alte, ansonsten exzellent funktionierende Wasserkocher wird demnächst ein Loch im Deckel haben. Philips verweist auf die Garantie (keine mehr, hahaha), auf Vertragswerkstätten, die das ganze begutachten sollen, und gesetzliche Regelungen, die den Versand von Ersatzteilen an Endverbraucher untersagen. Ich denke, eine Reparatur in einer Vertragswerkstatt wird den Preis für ein neues Gerät (40 Euro, von WMF) übersteigen*.

Prima, Philips, Ziel erreicht: Statt das Gerät nochmals 3 Jahre zu verwenden, soll ich mir ein neues kaufen? Wenn, dann aber nicht von Euch! Und schon gar nicht für 65 Euro (s.o.)! Denn auch an anderer Front seid Ihr der g.O. verfallen. Beispiel “Sonicare”-Zahnbürsten: Die Gummierung reicht am Griff bis ganz nach unten. Nach einiger Zeit, wenn die Zahnbürste dann noch einwandfrei funktioniert, fängt die Gummierung unten an, sich zu verfärben, und schlecht zu riechen. Warum? Weil sie am Waschbecken gerne mal in einer Pfütze steht. Auch das hätte man voraussehen können. Die Konkurrenz von Braun / Oral-B zieht die Gummierung an ihren Zahnbürsten beispielsweise nicht bis nach unten.

Philips Sonicare Zahnbürsten

Geplante Obsoleszenz am Boden?

Aber wahrscheinlich hat Philips das sogar vorausgesehen: Nach 2 Jahren soll man sich wohl so davor ekeln, sich die verratzte Zahnbürste in den Mund zu schieben, dass man sich eine neue kauft? Ohne mich! Meine Lösung seht Ihr oben: Gummierung teilweise (links) und ganz (rechts) entfernt. Geht auch. Bei der Gelegenheit ist übrigens sogar die Verriegelung des Akkufachs sichtbar geworden. Die war satt eingummiert. Wenn jetzt also der Akku schlapp macht, wird auch der ausgetauscht. Mein Geld bekommen die nicht! Mir stinkt es ohnehin schon, für jeden Bürstenaufsatz knapp 5 Euro zu zahlen. Im Vergleich scheint sogar Druckertinte billig.

Wenn man den oben gezeigten Film genau anschaut, wird man feststellen, dass Philips eine lange Tradition in der g.O. hat. Auch schon im Glühlampen-Kartell mischten sie munter mit. Dabei können Glühlampen auch 100 Jahre und mehr brennen.

Aber wahrscheinlich rege ich mich umsonst auf, denn alle Firmen betreiben g.O. auf breiter Front. Und sei es auch nur, weil sie nicht explizit die Nachhaltigkeit der Produkte im Auge behalten, oder die Möglichkeit der Reparatur dem Design oder einer kostengünstigen Produktion opfern. Wobei letzteres wiederum besonders schmerzt, wenn die kostengünstige Produktion sich nicht im niedrigen Verkaufspreis, sondern in einer hohen Gewinnspanne niederschlägt (Paradebeispiel Apple).

Pauschal kann man ein paar Modeerscheinungen nennen, die generell ein Hinweis auf g.O. zu sein scheinen:

  • Fest eingebaute Akkus
  • Andere fest oder unzugänglich eingebaute Komponenten
  • Gehäuse mit unsichtbarer Verriegelung (Schnapphaken/-nasen statt Schrauben)
  • Alles mit einteiligen Alugehäusen
  • Alles von Apple
  • Alles mit einer gummierten Oberfläche

Bei der hauchdünnen Gummierung auf Kunststoffteilen bin ich besonders kritisch: Während der Garantiezeit ist sie noch ein Handschmeichler. Die Chemie von Gummierungen ist aber wahrscheinlich darauf angelegt, sich genau 731 Tage nach dem ersten Kontakt mit Luft (d.h. nach Entfernung der Schutzfolie) in einen schmierigen Staubfänger zu verwandeln, den niemand mehr anfassen will. Meine Lösung bei einer Logitech-Maus, die mir seit 10 Jahren schon tolle Dienste leistet, seht Ihr zum Abschluss: Nach einer Kratz- und Schleifaktion ist die Maus zwar nicht mehr so schön wie vorher, aber immer noch gut anzufassen. Und sie hat noch ein langes Leben vor sich.

Logotech Notebook-Maus

Gummierung entfernt

* Mittlerweile einen Händler gefunden, der das Ersatzteil für 12 Euro verschickt. Austausch kann ich selbst machen

USB-Mikrofonie, Teil 1: Der Weg ist das Ziel

 Technik einfach, Videobearbeitung  Comments Off on USB-Mikrofonie, Teil 1: Der Weg ist das Ziel
Jul 072009
 

(Als Teil 1 bezeichnet  in der Hoffnung, dass es noch mehr werden. Das Potenzial ist da, siehe unten.)

Hier berichte ich in loser Folge von meinem neuesten Projekt: Sprachaufnahmen am PC, natürlich mit einem Mikrofon.

Genauer gesagt stehen 3 Anwendungen im Vordergrund: Podcasts, Vertonung von Screencasts, und nicht zuletzt die Verwendung bei VOIP (SIP und Skype, dann hab ich alle Buzzwords zusammen). “Screencast” muss ich vielleicht noch erklären: Dabei handelt es sich um die Aufzeichung von Abläufen auf dem Bildschirm – in der Regel, um eine Software zu erklären. E-Learning ist da das Thema (Buzzword-BINGO!). Eine der besten Softwares dafür ist Camtasia.

Dieses Thema hat bei mir eine lange Vorgeschichte, die ich aber in einigen wenigen Glaubensgrundsätze zusammenfassen möchte. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die in Computer eingebaute Audio-Hardware zu guten Sprachaufnahmen nichts taugt. Das geht Hand in Hand mit der Tatsache, dass die meisten günstigen Mikrofone Schrott sind. Und Headsets sowieso. Der letzte Beweis war ein teures Lenovo T61 Notebook. Mehr als Schrott, aber nicht richtig gut.

Meist liegt dies daran, dass die elektrischen und akustischen Eigenschaften von PC-Mikrofoneingängen und Mikrofonen (oder bei Notebooks sogar des eingebauten Mikrofons) nicht oder nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Die Folgen:

  • Keine oder unzureichende Phantomspeisung für Kondensatormikrofone
  • Niedrige oder (selten) zu hohe Empfindlichkeit der Mikrofone
  • Beim Zuschalten des Mikrofonverstärkers auf der Soundkarte zu hoher Rauschanteil im Signal
  • Aufnahme von Eigengeräuschen und Schwingungen des Rechners, vor allem bei Notebooks (Festplatte)
  • Undefinierte Richtcharakteristik der Mikrofone, die mehr Nebengeräusche als Nutzsignal aufnehmen (oder Echos produzieren)

Diese Liste ließe sich endlos verlängern, aber der Frust wächst beim Berichten überproportional, deshalb gleich zum Positiven. Ein erster Lichtblick war eine Webcam, die ich mir irgendwann im Jahr 2003 zugelegt habe: Eine Philips Vesta PCVK675. Neben der (immer noch) guten Bildqualität hat mich bei dieser Kamera vor allem begeistert, dass das eingebaute Mikrofon problemlos alles aufnehmen konnte, was sich vor der Kamera befand – bis weit in den Raum hinein.

Das lag eben daran, dass es sich um ein USB-Mikro handelte (oder besser handelt: Ich habe immer noch 3 Vestas in Betrieb). Die Soundkarte ist da quasi mit dem Mikrofon gekoppelt, der Rechner erhält über USB die fertigen, digitalen Daten, statt leidlich normierter analoger Impulse. Für mich ist das ein bestechendes Prinzip, denn so kann der Hersteller (theoretisch) die elektrischen Daten von Mikro und eingebauter USB-Soundkarte perfekt aufeinander abstimmen. Das Ergebnis war zwar bei der Vesta nicht berauschend (lies: es  war berauschend), aber in der Praxis hatte ich nie zuvor so guten Ton mit so wenig Problemen. Anmerkung nebenbei: Gute Mikrofone sind bei guten Webcams mittlerweile gang und gäbe.

Nächster Meilenstein auf dem Weg zu Erleuchtung Erhörung war der Logitech Easycall Desktop, der leider auch nicht mehr vertrieben wird. Im drahtlosen Maus- und Tastaturempfänger ist ein USB-Freisprechtelefon eingebaut, welches den Preis von 40 Moppen (Lasermaus, Tastatur, Headset, Freisprecheinrichtung) mehr als rechtfertigt. Das bestechende bei dieser Kombination von Ton-Ein- und Ausgabe in einem Gerät ist die Möglichkeit, störende Echos beim Freisprechen direkt im Gerät zu unterdrücken. Das Ergebnis: Freisprechen mit Skype und dem Logitech Easycall ist wirklich so, als wäre das Gegenüber … nun ja … eben gegenüber. Das hat auch etwas damit zu tun, wie Skype noch den Ton verbessert, aber dazu vielleicht später mehr. Fakt bleibt, dass Freiskypen fast nicht besser geht.

Mit dem Logitech-Gerät war dann erst einmal für die Telefonie ein guter Stand erreicht – bis mich das Screencast-Fieber packte. Einfacher und nachhaltiger als mit Bildschirmvideos kann man jemanden eine Software nicht beibringen (und danach seine Ruhe haben). Die Hardware schien ja bereits vorhanden: Ein gutes Mikrofon für die Sprachaufnahme enthält ja das Logitech-Speakerphone, also muss man nicht mal ein doofes (analoges) Headset tragen, in das man doch am Ende nur asthmatisch reinkeucht. Alles geritzt? Von wegen!

Was beim Skypen noch nach authentischen Raumklang klang (… klang klang klang …),  klingt im aufgezeichneten Video nach Turnhalle. Damit war die Zielsetzung klar. Ein Mikrofon muss her, mit folgenden Eigenschaften:

  • USB-Technologie, um die geschilderten Abstimmungsschwierigkeiten zu vermeiden
  • Ausreichende Emfindlichkeit für Raumaufnahmen, Podcasts und dergleichen, so dass man für einen ordentlichen Aufnahmepegel nichts ins Mikro beißen oder schreien muss
  • Unterdrückung (oder besser: Gar nicht erst die Aufnahme) von Störgeräuschen
  • Hervorragender Klang (klar)

Oder zusammengefasst: Über 100-Euro. Mindestens! Uh-oh!

Fortsetzung folgt.